Cloppenburg - Die Stadtverwaltung hat jetzt den Vertrag mit der externen Bauleitung bei der Cloppenburger Kläranlage gekündigt. Das erklärte Erster Stadtrat Andreas Krems am Dienstagabend im Bau- und Verkehrsauschuss. Das Vertrauensverhältnis zwischen der Verwaltung und dem in Oldenburg angesiedelten Ingenieurbüro sei zerstört.

Zum Hintergrund: Seit Wochen ruhen die Bauarbeiten an dem 70 Meter langen, 40 Meter breiten und sieben Meter tiefen neuen Klärbecken, weil der Einlauftrichter mit einer Betonsorte gegossen worden ist, die die Stadt in ihrer Ausschreibung so nicht vorgesehen hat. Die Verwaltung hatte die Betonsorte „Hüttensand“ verlangt, weil dieses Material besonders resistent gegen die aggressiven Abwässer sei. Wie berichtet entstehen diese, wenn zum Beispiel am Niedrigen Weg eiweißhaltige Abwässer der Schlachterei Vion mit den warmen Stärkeabwässern aus der Kartoffelverarbeitung von Emsland Food reagieren.

Das mit der Bauleitung beauftragte Fachbüro hat nach Darstellung der Stadt eine andere Betonsorte einbauen lassen, an dessen Tauglichkeit die Fachleute im Bauamt zweifeln. Davon – so Krems – habe das Büro die Verwaltung nicht informiert. Der Vorgang sei nur ans Licht gekommen, weil den Bauamtsmitarbeitern bei einem Ortstermin auf der Kläranlage ein entsprechender Lieferschein des beauftragten Betonwerks in die Hände gefallen sei.

Die rund 250 Quadratmeter große Fläche, die jetzt mit dem „falschen“ Beton gegossen worden ist, solle – so Krems weiter – nun mit einem Material beschichtet werden, das den aggressiven Abwässern trotzt. Der Beton müsse also nicht wieder rausgeschlagen werden. „Der Schaden ist noch überschaubar.“ Jetzt werde die Baustelle erst einmal winterfest gemacht.

Wie berichtet, steht die mit insgesamt 14,4 Millionen Euro geplante Modernisierung und Sanierung der Kläranlage bislang unter keinem guten Stern. Die Stadt – erklärte Krems bereits Mitte Juni – gehe schon jetzt von einer 20-prozentigen Steigerung der Baukosten aus. Grund dafür waren vor allem Verzögerungen im Vergabeverfahren. Firmen, die bei der Ausschreibung des ersten und zweiten Loses nicht zum Zuge gekommen waren, hatten bei der Vergabekammer in Lüneburg Einspruch eingelegt.


In Anbetracht der bereits beim Beton aufgetretenen Probleme sei es – so Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese (CDU) – im Nachhinein ein Glücksfall, dass es bei der weiteren Vergabe der weiteren Lose zu Verzögerungen gekommen sei bzw. komme. Stand heute – ergänzte Krems – werde die Kläranlage erst ein bis anderthalb Jahre später als geplant fertiggestellt. Bis dahin arbeite sie vorschriftsmäßig weiter.

Carsten Mensing
Carsten Mensing Redaktion Münsterland