NWZ
berichtete) hat erwartungsgemäß unterschiedliche Reaktionen bei Ratsmitgliedern und Kaufleuten hervorgerufen.Vor allem die Definition, welche Straßenzüge zum Stadtzentrum und damit zum besonders schützenwerten Innenstadtbereich des Schortenser Einzelhandels gehören sowie Empfehlungen zur Sortimentsgestaltung und Versorgung in den Randbereichen sorgen für Diskussionsstoff.
Auf Unverständnis stößt das von der Gesellschaft für Markt und Absatzforschung (GMA, Hamburg) erstellte Papier vor allem bei den Investoren des Fachmarktzentrums, Jochen Breuer aus Großhansdorf bei Hamburg sowie Andreas Marx aus Lübeck, die das Fachmarktzentrum vor zwei Jahren im Heidmühler Gewerbegebiet am Ende der Oldenburger Straße für rund zehn Millionen Euro errichten ließen und sich mühen, das Zentrum mit attraktiven Geschäften zu füllen. Zurzeit steht dort rund ein Drittel der rund 9000 Quadratmeter Handelsflächen leer.
Frequenzbringer fehlt
Dass sich dort in absehbarer Zeit ein neuer Baumarkt ansiedeln könnte, haben sich Marx und Breuer mittlerweile abgeschminkt: Denn ein als täglicher Frequenzbringer gewünschter Lebensmittelmarkt wird dort nicht genehmigt. Breuer und Marx zufolge wollte der Lebensmitteldiscounter Netto ins Fachmarktzentrum, müsse nun aber an der Bahnhofstraße bauen.
So haben alle angesprochenen Baumärkte dankend abgelehnt. Auch Pläne, den Raiffeisen-Markt von der Jeverschen Straße ins Fachmarktzentrum zu holen, seien bislang nicht von Erfolg gekrönt.
Mit dem Gutachten hat die GMA der Stadt Schortens einen Leitfaden an die Hand gegeben, wie der innerstädtische Bereich zu schützen und weiterzuentwickeln und wie die wohnortnahe Versorgung zu sichern und auszubauen ist. Das Gutachten gibt zudem klare Empfehlungen, welche Branchen und Sortimente an welchen Stellen zulässig sein sollten und wo nicht.
So kommt das Einzelhandelsgutachten auch zu der Empfehlung, das Sortiment im Fachmarktzentrum künftig weiter zu beschränken. Zwar haben die dortigen Geschäfte Bestandsschutz, sollten sich eines Tages aber beispielsweise der Optiker, der Schuhmarkt oder die Textilmärkte entscheiden, das Fachmarktzentrum zu verlassen, dürften andere Anbieter dieser Branchen die entstehenden Lücken dort nicht mehr füllen, weil es sich um innenstadtrelevante Sortimente handelt.
„Dann können wir hier eines Tages nur noch Kajaks und Kamine anbieten“, sagt Marx. Der Kaufmann und Unternehmer erklärte aber auch, das Fachmarktzentrum nicht sterben lassen zu wollen. Er sei ständig in Gesprächen mit möglichen Mietern, aber eine Sortimentsbeschränkung über Lebensmittel hinaus könne und wolle er nicht klaglos akzeptieren.
Janto Just (BfB) hatte im Ausschuss davor gewarnt, mit der weiteren Beschränkung der Sortimente im Fachmarktzentrum eine Investitionsruine zu produzieren.
Fachhandel hat gutes Image
Mit Blick auf das Einkaufsverhalten kommt das Gutachten zu dem Schluss, dass Schortens bevorzugter Einkaufsort für Waren des täglichen Bedarfs ist. Auch Haushaltswaren, Bücher, Bekleidung und Schuhe werden bevorzugt vor Ort eingekauft. Elektrowaren werden über das Internet oder in den Märkten der Nachbarstädte gekauft. Der örtliche Fachhandel hat insgesamt ein gutes Image bei den Bürgern, weniger gut kommen die Filialisten weg.
Mit Blick auf die Nahversorgung empfiehlt die GMA zudem die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes in Middelsfähr-Roffhausen.
