Jever - Die letzten Arbeiten sind erledigt, das St. Annen-Quartier in Jevers Innenstadt ist fertig und wurde am Sonnabend mit einem Tag der offenen Tür eröffnet.
Trotz des anhaltenden Regens hatten sich auf Einladung des Investors, dem jeverschen Unternehmer Dr. Karl Harms, Eigentümer und Mieter, Nachbarn, Planer, Mitarbeiter der Baufirmen sowie Vertreter aus Rat, Verwaltung, Politik und Wirtschaft versammelt, um gemeinsam die Eröffnung zu feiern.
Rund zwei Jahre Bauzeit
Harms dankte Rat und Verwaltung sowie dem Landkreis Friesland für die gute Zusammenarbeit und der Stadt für deren Investition in das Projekt. Wie berichtet, hat sich die Stadt Jever mit rund einer Million Euro am Bau der Tiefgarage beteiligt und hat zudem die Umsiedlung einer Spielhalle an den Kirchplatz finanziert – beides hatte in Jever für kontroverse Diskussionen gesorgt. Ein kontroverses Thema im Rat ist derzeit die Bewirtschaftung der Tiefgarage (die berichtete).
Das St. Annen-Quartier ist nach etwas mehr als zwei Jahren reiner Bauzeit fertig. Weitere zwei Jahre hatte die Planung in Anspruch genommen. „Wir sind dennoch gut im Zeitplan“, sagte Harms.
Er wolle in diesem Zusammenhang auf einen Dreiklang hinweisen: In Verbindung stehen die Renovierung der St. Annen-Kapelle 2010, die Gründung der St. Annen-Trust-Bank, mit deren Hilfe Frauen in Afrika einen Mikrokredit zu fairen Konditionen aufnehmen und so eine Existenz gründen können, und der Bau des St. Annen-Quartiers.
Wie berichtet, war im Januar 2011 der Grundstein gelegt worden, im Juni 2012 stand der Rohbau, im November wurde Richtfest gefeiert. Investor Dr. Karl Harms hat in die gesamte Anlage rund 12 Millionen Euro investiert. Entstanden sind an der St. Annen-Straße fünf Stadthäuser mit 16 Eigentumswohnungen und Tiefgarage, ein Seniorenzentrum mit 31 von der Arbeiterwohlfahrt (AWo) geführten Wohnungen, von denen acht noch zu haben sind, und drei weiteren Wohnungen. In dem Gebäude, das sich auch über das ehemalige Harms-Elternhaus erstreckt, ist zudem die Sozialstation der AWo untergebracht, es gibt Räume für drei Praxen, einen Physiotherapeuten und eine Apotheke.
Das St. Annen Quartier verbinde so Einkaufen, Dienstleistungen und Wohnen im Alter, sagte Harms. Handel und Gewerbe werden durch die Belebung der Innenstadt in diesem Bereich gestärkt werden, betonte Harms. „Mittelständische Betriebe werden hier neue Nischen finden“, sagte er. Die Rossmann-Erweiterung sei erst der Anfang gewesen.
Jevers Bürgermeisterin Angela Dankwardt bescheinigte Dr. Karl Harms großen Mut: „Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Investor so viel Geld in die Hand nimmt und dieses Großprojekt umsetzt“, sagte sie. So ein Projekt sei in einer Kleinstadt wie Jever mit großen Risiken behaftet. Kritik an dem Projekt könne zwar geäußert werden, aber irgendwann müsse damit auch Schluss sein, sagte sie: „Spätestens dann, wenn das Projekt erfolgreich ist.“
Sie forderte die Anwesenden auf, die Tiefgarage als Parkmöglichkeit zu nutzen und in Jever einzukaufen. Sie bezeichnete den Bau des St. Annen Quartiers als „Höhepunkt meiner Amtszeit“.
Neue Pütt enthüllt
Während die AWo die gute Zusammenarbeit lobte und sich für die Kooperation bedankte, gratulierte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies, den Harms als Redner beinahe vergessen hatte, der Stadt und den Jeveranern zu „diesem Riesen-Erfolg“. Das St. Annen-Quartier sei modellhaft für Niedersachsen und gebe eine Antwort auf die Frage, wie Innenstädte neu belebt werden können. Das Projekt sei ein Liebesbeweis von Harms an seine Heimat, sagte Lies. Harms habe stets zu seinem Projekt gestanden und sein Ziel auch gegen Widerstand, Kritik und Protest verfolgt. „So kann sich die Innenstadt weiter entwickeln“, sagte Lies. „Dieser Stadtteil lebt wieder.“
Ein Höhepunkt des Tages war die Enthüllung der neuen St. Annen-Pütt, einer der ältesten Pütten Jevers von 1743, die im Zuge der Bauarbeiten abgebaut werden musste. Harms ist Mitglied in der Püttacht und ließ die Pütt wieder herrichten. Sie steht jetzt wieder an der St. Annen Straße.
