Oldenburg/Hude - Für Unternehmen wird es angesichts der demografischen Entwicklung schwieriger, den passenden Berufsnachwuchs zu gewinnen – auch im Nordwesten. Nach einer Umfrage des Niedersächsischen Industrie- und Handelskammertages (NIHK) unter 1230 Betrieben konnte im Vorjahr jedes fünfte Unternehmen nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen – der Anteil sei fast doppelt so hoch wie 2006, erklärte der IHK-Verbund NIHK am Dienstag.
„Arbeitgeber sollten beim Auswahlverfahren von Azubis den zweiten Blick“ wagen, riet die Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven zum „Tag der Ausbildungsplatzes“ an diesem Mittwoch. „Auch wenn es mitunter an den formalen Qualifikationen mangelt, gibt es junge Menschen, die in der Praxis zu einer guten Nachwuchskraft aufblühen“, erläuterte Christian Berndt, Leiter des Arbeitgeberservice. Zum „Tag des Ausbildungsplatzes“ werbe man dafür, „auf Potenziale statt auf vermeintliche Mängel zu schauen“.
Die Agentur zeigte mehrere Beispiele auf – wie das von Felix Tietz. Der 20-Jährige hatte sich beruflich in eine andere Richtung orientiert, wollte diesen Weg aber nicht weiter verfolgen. Damit hatten sich die Erfolgsaussichten auf einen neuen Ausbildungsplatz deutlich verschlechtert. Eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme der Arbeitsagentur brachte die Wende. In Absprache mit der Berufsberatung absolvierte Tietz ab Oktober 2012 ein Praktikum im Autohaus Bartels (Hude). Dort habe man „die persönlichen Stärken des jungen Mannes schnell erkannt und ihm zum 1. August 2013 eine Ausbildungsstelle zugesichert“, bilanziert die Arbeitsagentur.
Bis dahin werde er im Betrieb bereits als Aushilfe beschäftigt. So erwerbe er weitere nützliche Vorkenntnisse .
„Für uns wiegt eine positive Grundeinstellung zum gewählten Beruf, die Zuverlässigkeit und die Kundenfreundlichkeit mehr als herausragende Zensuren. Und das ist bei Felix der Fall“, erläuterte Autohaus-Geschäftsführer Jürgen Schaffarzyk in einer Mitteilung. „Ich kann jungen Menschen nur raten, frühzeitig mit der Berufswahl zu beginnen und ein betriebliches Praktikum zu machen. Betriebe merken rasch, welche Talente vorhanden sind und man sie fördert.“
Es gebe viele junge Menschen „mit unentdecktem Potenzial“, weiß Berufsberaterin Edda Bomhof. Betriebe sollten im eigenen Interesse kompromissbereit sein. Oft könnten Jugendliche „mit Fertigkeiten und Motivation punkten, auch wenn sie nicht allen formalen Anforderungen entsprechen“.
Die Handwerkskammer Oldenburg rief zum Tag der Ausbildung mit anderen Partnern des „Ausbildungspaktes“ dazu auf, Lehrstellen zu schaffen. „Geben Sie verstärkt jungen Menschen mit Unterstützungsbedarf und mit Behinderungen eine Chance“.
Jugendliche können unter der Hotline 01801/555 111 (gebührenpflichtig) bei der Agentur eine Beratung vereinbaren. In der Agentur Wilhelmshaven findet an diesem Mittwoch eine Jobbörse statt (14 bis 17 Uhr).
