Salzgitter - Gemeinsam haben Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Landespolitiker in Niedersachsen gegen Dumpingpreise in der Stahlindustrie protestiert. Dass China billigen Stahl auf den Weltmarkt werfe, habe zu einem ruinösen Preiswettbewerb geführt, sagte der Vorstandsvorsitzende der Salzgitter AG, Heinz Jörg Fuhrmann, am Donnerstag bei einer Kundgebung auf dem Gelände des Konzerns. „Das ist ein Tsunami, dem wir aus eigener Kraft nicht viel entgegensetzen können“, sagte Fuhrmann.

Rund 4000 Demonstranten forderten deshalb einen effektiveren Schutz des Marktes durch die Europäische Union. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte, die Stahlindustrie stehe vor einem ganzen Bündel von Problemen, die politisch gesetzt seien.

Er rief die Europäische Union auf, beim Schutz des Stahlmarktes zügig zu handeln: „Strafzölle müssen schneller kommen und sie müssen fühlbar sein“, forderte er.

Sorge bereitet den Unternehmen auch die in der EU geplante Neuregelung des Emissionshandels. Sie könnten die Stahlkonzerne dazu zwingen, CO 2 -Zertifikate zu erwerben. Sie befürchten hohe Kosten. Europas Stahlproduzenten seien die saubersten der Welt, sagte Hasan Cakir, Betriebsratschef der Salzgitter AG. „Es kann nicht sein, dass wir dafür bestraft werden.“

In Niedersachsen arbeiten rund 10 000 Menschen in der Stahlindustrie. Größter Arbeitgeber in der Branche im Land ist die Salzgitter AG.


Wegen der weltweiten Überkapazität und einem Preisverfall herrscht in der Branche seit Jahren Krisenstimmung. Mit dem Stahlaktionstag will die Gewerkschaft IG Metall auf die Probleme der Stahlkocher aufmerksam machen.

Die Kundgebung in Salzgitter war der Auftakt zu einer bundesweiten Aktion.