Duisburg/Berlin/Nordenham  - In der Stahlkrise haben am Montag deutschlandweit mehr als 40 000 Beschäftigte für eine Zukunft ihrer Arbeitsplätze demonstriert. „Geht der europäische Stahl den Bach runter, dann sind Millionen von Arbeitsplätzen in Europa in Gefahr“, sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann vor rund 16 000 Demonstranten bei einer Kundgebung vor den Toren des größten deutschen Stahlkonzerns Thyssen-Krupp in Duisburg. Die Teilnehmer forderten von der EU einen besseren Schutz vor Billig-Importen aus China und warnten vor weiteren Belastungen durch neue Klima- und Energieauflagen.

„Auf jeden der 85 000 Stahlarbeitsplätze kommen über sechseinhalb Beschäftigte in den Abnehmerbranchen, die davon abhängen“, sagte der IG-Metall-Chef. „Deshalb darf diese industrielle Kraft in Deutschland nicht aufs Spiel gesetzt werden.“ Sobald ein Hochofen stillgelegt sei, seien Arbeitsplätze auf Dauer vernichtet.

Kundgebungen fanden auch in Berlin und anderen Bundesländern statt. Allein im Saarland gingen rund 20 000 Menschen auf die Straße. „Wir haben die Herzen der Bürger gewinnen können“, sagte der Stahlbeauftragte der IG Metall Saarland, Robert Hiry. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sagte bei einer Kundgebung in Dillingen, dass die Branche für ihr Bundesland „geradezu lebenswichtig“ sei.

Schon in der vergangenen Woche hatten rund 4000 Stahlarbeiter in Niedersachsen demonstriert. In Nordenham setzten am Montag rund 120 Beschäftigte, vorwiegend Mitarbeiter des Steelwind-Werkes, einer 100-prozentigen Tochter der Dillinger Hütte im Saarland, mit einer Kundgebung ein weiteres Signal gegen unfairen internationalen Wettbewerb, so Bürgermeister Carsten Seyfarth.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) forderte in Duisburg faire Rahmenbedingungen für die Hersteller. Wettbewerbsfähige Unternehmen dürften nicht durch subventionierte Importe vom Markt verdrängt werden. Für den Stahlstandort Deutschland sei ein fairer Wettbewerb weltweit unverzichtbar und überlebensnotwendig.