STAPELFELD - Trotz unterschiedlicher Interessen waren sich die Referenten am Montagabend in der Katholischen Akademie Stapelfeld (KAS) einig: Alle Kräfte, die sich mit der Bekämpfung des Virus’ in den Putenställen des Landkreises in der Vergangenheit beschäftigten, taten das Richtige sehr schnell und haben so wahrscheinlich Schlimmeres verhindert. Denn niemand konnte ausschließen, dass das vorgefundene, als harmlos geltende niedrigpathogene Influenzavirus H5N3 zur gefährlichen Variante H5N1 mutiert. In der Reihe „Brennpunkt Regionalentwicklung“ hatte die KAS zum Thema „Vogelgrippe – Supergau im Nordwesten?“ aus unterschiedlichen Bereichen Experten zur Diskussion eingeladen.

Obwohl es derzeit keine neuen Befunde gibt, sieht Dr. Karl-Wilhelm Paschertz, Amtsleiter für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung beim Kreis Cloppenburg, noch keine Möglichkeit für eine endgültige Entwarnung. Die Putenbestände und Schlachtereien würden weiter beobachtet. „Das Risiko ist noch vorhanden“, so Paschertz. Als mögliche Ursache käme ein Transport aus Nordrhein-Westfalen in Betracht: Die Wahrscheinlichkeit, das Virus auf dem Transportweg einzubringen, sei höher als durch Wildvögel.

Über die Infektion klärte Dr. Ursula Gerdes vom Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) die rund 50 Besucher auf. Lob sprach sie den Geflügelhaltern aus. Sie spielten bei der Früherkennung des Virus’ und der Seuchenbekämpfung eine beachtliche Rolle. Denn das frühzeitige Erkennen sei die beste Prävention.

Dass die Würde eines Tieres über dessen Nutzen stehe und für das Töten ein vernünftiger Grund vorhanden sein müsse, forderte Professor Dr. Thomas Blaha, Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz. Derzeit sieht auch der Tierschützer in dem schnellen Töten der befallenen Bestände den richtigen Weg.

Barbara Grabkowsky vom Institut für Strukturforschung und Planung in agrarischen Intensivgebieten (ISPA) aus Vechta stellte die vorbeugende Arbeit ihres Institutes vor und belegte mögliche Schwachstellen. Wie schwer das Töten des Bestandes den Tierhaltern falle, gestand Wilhelm Hoffrogge von der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft aus Dötlingen ein.


Die Diskussion, die von Bernd Kleyboldt (KAS) geleitet wurde, ließ Fragen nach der Zukunft aufkommen, die aber keiner beantworten konnte. Einig waren alle darin, dass schnelles Handeln der Schlüssel zur erfolgreichen Eindämmung eines Befalls sei. Der Cloppenburger Arzt Dr. Norbert Naber, der unter den Besuchern war, riet jedem in der Geflügelwirtschaft Beschäftigten zur Grippeschutzimpfung. Ein Zusammentreffen beider Virusvarianten könne böse Folgen haben.