STAPELFELD - Rund 50 Zuhörer waren in das Kardinal-von-Galen-Haus gekommen. Die Referate sollten den Facettenreichtum der Religion in Südoldenburg darstellen.
Von Bodo Meier
STAPELFELD - Einen „lüttken Vatikaon“ in Vechta, einen „oldenburgischen Vatikan“ oder gar einen „Moorpapst“ – das Oldenburger Münsterland besitzt diese religiöse Identität. Der Heimatbund für das Oldenburger Münsterland (OM) hatte zum neunten Studientag in das Kardinal-von-Galen-Haus zum Thema „Konfessionelle Erinnerungsorte im OM“ eingeladen. Über deren verschiedenen Facetten referierten am Sonnabend sechs Wissenschaftler vor rund 50 Zuhörern.Die Präsidentin des Heimatbundes, Hildegard Kronlage, brachte es auf den Punkt. Es müssten nicht immer nur Orte oder Gebäude sein, auch Personen seien Erinnerungsorte. Die Identifikationsfiguren müssten allerdings gesucht werden. Dabei beklagte Kronlage den schleichenden Rückzug der Religion aus der Fläche. Der Abschied von Ritualen wie Taufe und Beerdigung sei dabei nur ein Ausschnitt. „Anonyme Begräbnisse zeigen den Verlust an Erinnerungsorten“, sagte Kronlage, die vor der Frustration der Christen in den Gemeinden warnte.
Dr. Michael Hirschfeld (Vechta) führte in die Thematik ein. Gleichwohl gestand er ein, dass die sechs ausgewählten Fallbeispiele des Programms nur den Facettenreichtum der Region mit ihren historisch gewachsenen, konfessionellen Begebenheiten widerspiegelten.
Hirschfeld betrachtete in seinem Referat das Bischöflich Münstersche Offizialat in Vechta. Dabei ging er auf den Wandel der Jubiläen in dem „lüttken Vatikaon“ ein. Prof. Dr. Joachim Kuropka (Vechta) beschäftigte sich nicht nur mit dem „Kulturkampf“ in Niedersachsen, sondern auch mit Offizial Heinrich Grafenhorst. „Wenn es in Vechta einen ,lüttken Vatikaon’ gegeben hat oder gar noch gibt, dann muss, um im Bild zu bleiben, dort auch ein ,lüttker Paopst’ – ein ,Moorpapst’ – residieren", sagte Kuropka. Dieser Ehrentitel stehe im Zusammenhang mit dem Wirken von Grafenhorst in der Zeit von 1948 bis 1970 in Vechta.
Ob es in der Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts, die im wesentlichen Sache des Klerus war, eine Symbiose zwischen religiöser Identität und Region gegeben hat, erarbeitete Prof. Dr. Alwin Hanschmidt (Vechta) in seinem Referat. Die protestantischen Erinnerungsorte in Goldenstedt und Neuenkirchen griff Dr. Tim Unger (Dinklage) auf. Dr. Maria Anna Zumholz (Münster) thematisierte den Kreuzkampfgedanken in OM, während sich Dr. Ruth Irmgard Dalinghaus (Oldenburg) mit Kirchenbau und Ausstattung der Region befasste. Eine Podiumsdiskussion mit allen Wissenschaftlern rundete den Tag ab.
