STAPELFELD - Mit Schilderungen aus seinem Leben hat Rupert Neudeck am Mittwochabend rund 60 Zuhörer in der Katholischen Akademie in Stapelfeld gefesselt. Neudeck ist Gründer des Komitees Cap Anamur und des internationalen Friedenskorps Grünhelme.

Der drahtige Mann faszinierte die Besucher mit seinen Erinnerungen, die er in „Abenteuer Menschlichkeit“ zu Papier gebracht hat. Mit Begeisterung berichtete er von seinen humanitären Aktionen, die ihn und seine Frau Christel unter anderem nach Vietnam, Afghanistan, Ruanda und Palästina führten. Obwohl der promovierte Philosoph auf seinen Reisen viel Elend, Hunger und Tod gesehen hat, bleibt Neudeck ein optimistischer Mensch, der auch andere zum Handeln bewegen möchte.

Seine Erinnerungen beginnen mit der Gründung der Hilfsorganisation Cap Anamur. Durch Berichte in den Medien war er auf das Elend der unzähligen vietnamesischen Flüchtlinge im südchinesischen Meer aufmerksam geworden. Nach einem Spendenaufruf hatte Neudeck nach wenigen Tagen 1,3 Millionen DM zusammen. Er stach mit einem Frachter in See und rettete mehr als 10 000 „Boat people“. „Das humanitäre Völkerrecht verpflichtet uns, Menschen in Not zu helfen und nicht immer erst auf die staatliche Zustimmung zu warten“, betonte Neudeck.

Mit einem verschmitzten Lächeln berichtete er von zahlreichen Tricks, mit denen er staatliche Repressalien und Verbote umging. Er sagte, dass man zum Erreichen seiner Ziele nicht immer den sicheren Weg gehen dürfe. Hätte er sich immer an alle Vorschriften und Regeln gehalten, hätte er die Menschen nicht retten können. Er bezeichnete die gelungene Integration der Vietnamesen in die Bundesrepublik als eine große Erfolgsgeschichte.

Die Kraft für sein humanitäres Wirken schöpft der 69-Jährige aus seinem christlichen Glauben. Besonders das Gleichnis des wohltätigen Samariters versteht er als Aufruf zum Handeln. „Du musst es machen, und nicht der, der dafür zuständig ist. Wir haben unsere Aufgabe angenommen und sind dafür 100-fach belohnt worden“, betonte Neudeck. An diesem Abend bedankte sich eine ältere Vietnamesin noch einmal persönlich für ihre Rettung.


Auch sein Kampf für den Einsatz von Minenräumpanzern in Somalia, sein Engagement in Afghanistan, wo er mit Helfern Schulen und Krankenhäuser baut, sowie sein Einsatz in Ruanda und Palästina zeigen, wie sehr Menschlichkeit und der Wunsch zu helfen sein Leben bis heute prägen. Er warnte davor, jedes internationale Problem mit der Entsendung von Soldaten lösen zu wollen. Das Geld für diese Aktionen wäre in vielen Fällen besser in humanitäre Aktionen investiert, so Menschenrechtler.