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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Star aus Wardenburg chauffiert bis zu 100 Tonnen

12.03.2014
NWZonline.de NWZonline 2016-09-27T14:37:15Z 280 158

Hafen- und Industrietechnik:
Star aus Wardenburg chauffiert bis zu 100 Tonnen

Wardenburg Wie von Geisterhand bewegt sich das flache Elektrofahrzeug – eine Art Ladefläche mit acht Rädern – gelenkig durch die nagelneue Fertigungshalle im Gewerbegebiet von Wardenburg (Kreis Oldenburg). Prokurist Andreas Thölke (49) bedient die Fernsteuerung: „Das ist unser erstes Exemplar“, sagt der gelernte Ingenieur als Ideengeber stolz. „Es kann acht Tonnen Last tragen.“ Das sei aber nur der Anfang. Möglich seien bis zu 100 Tonnen – „das kommt ganz darauf an, was die Kunden wünschen“, erläutert Gerwin Eilers (49), Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der HIT Hafen- und Industrietechnik GmbH in Wardenburg.

Die Eigenentwicklung des Niederflur-Transportfahrzeuges „move-e-star“ leitet ein neues Kapitel bei dem Mittelständler (30 Beschäftigte) ein. In der weiteren Halle, die an diesem Mittwoch eingeweiht wird, soll auch die Produktion für das Spezialfahrzeug aufgebaut werden.

Mit mehreren Interessenten – darunter Werften – gibt es bereits konkrete Verhandlungen, freut sich Gerwin. Sie könnten das Spezialfahrzeug etwa nutzen, um schwere Komponenten im Betrieb zu bewegen, und zwar extrem frei und präzise: Die acht Räder werden individuell elektrisch angetrieben und gelenkt (Roll-Lenkung).

HIT erschließt sich einen neuen Markt – mit Synergien zu bisherigen Produkten und Programmen mit einem Schwerpunkt im Bereich Umschlag („Hebezeuge“). Schon seit Jahren hat das kleine Unternehmen große Bedeutung etwa bei der Hafenausrüstung: Zahlreiche Kräne weltweit funktionieren mit Elektrotechnik und Steuerungsprogrammen von HIT.

Hafentechnik tief aus dem oldenburgischen Binnenland heraus? Gerwin Eilers lächelt. Der Standort sei heutzutage nicht entscheidend. Wichtig sei die enge Vernetzung mit überregionalen Kunden, um Produkte nach deren Bedürfnissen entwickeln zu können.

Gleichwohl: Der Elektrotechnik-Ingenieur Eilers, ein gebürtiger Auricher, hatte nach Erfahrungen bei einem Elektronik- und einem Kranbaukonzern die Firma 1997 direkt an der Küste gestartet, in Wilhelmshaven. 2002 wurde der Standort nach Wardenburg verlagert. Man schätzt hier den Platz und die Verkehrsanbindungen, einschließlich Bremer Flughafen.

HIT mit einem Exportanteil von rund 50 Prozent hat besonders viele Kunden in Europa, aber auch in Asien, wie die Fähnchen an einer Weltkarte im 1. Stock der Wardenburger Zentrale zeigen. In Singapur hat HIT seit 2008 sogar eine eigene Tochtergesellschaft.

Aber auch quasi direkt vor der Haustür sitzen wichtige Kunden: In Wilhelmshaven finden sich Elektrotechnik und Software von HIT bei Bahn-Kranen am Jade-Weser-Port oder in der automatisierten riesigen Seeschleuse, bei Rhenus in Nordenham in Umschlagbrücken und im Drehwippkran oder in Brake in modernisierten Containerbrücken von N-Ports.

Doch HIT hat hat sich noch weitere Standbeine aufgebaut. Dazu zählen Leittechnik für Öl und Gas oder auch Wasserwerke (wie Feldhausen bei Wilhelmshaven) sowie vielfältige Industrieautomation.

Bereits mehrfach wurden die Gebäude erweitert. Auch eine eigene Fertigung für Elektrotechnik wurde gestartet. Jetzt bekommt mit dem „move-e-star“ der eigene Maschinenbau starke Impulse.

Und die weitere Planung? „Wie groß wir werden, bestimmen die Kunden“, lautet die Maxime im Unternehmen. Die Entwicklung sei eindeutig „Know-how-getrieben“, sagt Dr. Peter Schinzing (55). Der frühere OLB-Vorstand kam 2013 in die HIT-Geschäftsführung, weil er hier bei einem „typischen starken deutschen Mittelständler“ eine „hochspannende Aufgabe“ sieht. Gut die Hälfte der 30 Mitarbeiter seien Ingenieure. Wachsen will man mit Produkten, die das vorhandene Sortiment ergänzen, und die Synergien nutzbar machen – wie Niederflur-Transportfahrzeuge und Kran-Elektronik.

Neuer Trend: Immer öfter ist die Arbeit mit Programmen von HIT über mobile Geräte (wie Tablets) überwachbar, erläutert Firmenchef Eilers. Dabei zeigt er eine elektronische Draufsicht auf eine riesige Kompost-Umsetzanlage, mit allen laufenden Produktionsdaten. Auch für diesen Kran wurde in Wardenburg die Software geschrieben. Ebenso wie die „App“ für Containerbrücken. Oder jetzt für die Steuerung des „move-e-star“.