STEINHAUSEN - Das Thema erregt die Gemüter, Gentechnik spaltet die Denker, entsprechend emotional ging es zu am Montagabend in der „Altdeutschen Diele“ in Steinhausen. Im überfüllten Reitersaal bezeichnete sich Christel Happach-Kasan, ehemalige Biologielehrerin, als erfahrende Dompteuse, und das war dann auch notwendig im Disput zwischen Landwirten aus den umliegenden Dörfern und engagierten Gegnern der Gentechnik.
Immer mehr Menschen
Gastgeber des Informationsabends war der FDP-Ortsverein Friesische Wehde mit dem Vorsitzenden Jochen Meineke; seine Stellvertreterin Marlen Jäckel-Seifert hatte die Referentin nach Steinhausen gelotst. Christel Happach-Kasan, Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion für Ernährung und Landwirtschaft, setzte ihre Ankündigung um, sich für Gentechnik zu verwenden: „Es gibt immer mehr Menschen auf der Welt, gleichzeitig immer weniger Ackerbauflächen. Wir brauchen züchterische Erfolge, um die Menschen ernähren zu können. 990 Millionen Menschen hungern: Ihr Leid kann nur durch gentechnische Züchtung vermindert werden.“
In Deutschland, so die Referentin, gebe es eine „verzehrte Risikowahrnehmung“, hervorgerufen vor allem durch Verbraucher- und Umweltschutzverbände sowie durch die Medien: „Nach dem Krieg ist noch niemand hier durch Pflanzenschutzmittel und gentechnisch veränderte Organismen zu Schaden gekommen.“ Wohl aber durch bakterielle Verunreinigungen, von Alkohol und Tabak gar nicht zu reden. Nulltoleranzgrenzen für Gentechnik sollten aufgehoben werden.
Das rief die Gegner auf den Plan. Keine Schadensfälle? Dafür gebe es keinerlei aussagekräftige statistische Erhebungen. Heute werde „Terminatorsaatgut“ verwendet für Weizen, der seine eigenen Keimlinge auffrisst. Was passiert, wenn dieses über Lebensmittel in den menschlichen Körper gelangt? Darauf gab es keine befriedigende Antwort.
Doch betonte die Referentin auch: „Die Forderung, ohne Gentechnik auszukommen, kann von keinem verarbeiteten Lebensmittel mehr erfüllt werden.“ Überall gentechnisch veränderte Enzyme, Vitamine, Aminosäuren, manipulierte Mikroorganismen schon in der Tiernahrung. Darum ihre Forderung: „Wo Gentechnik drin ist, sollte auch Gentechnik drauf stehen. Alles andere ist Verbrauchertäuschung.“ Da schwiegen dann wieder die Kontrahenten.
Monopole auflösen
Während die Bauern darauf verwiesen, mit Hybrid-Mais die doppelte bis dreifache Menge ernten zu können, wandten sich die Gentechnik-Gegner vor allem dagegen, Genomveränderungen art-übergreifend („vom Fisch auf die Erdbeere“) durchzuführen. Einig waren sich aber alle, Monopolstrukturen aufzulösen. Christel Happach-Kasan: „Nur ein Unternehmen besitzt den größten Teil der Patente auf Konstrukte in Pflanzenzüchtungen.“ Die Firma heißt Monsanto.
