STEINHAUSEN - Ein düsteres Szenario entwarf der Medienwissenschaftler Professor Dr. Heinz Buddemeier jetzt vor dem Gesprächskreis für gesunde Ernährung und Lebensführung in Bockhorn (GELB): „Ein dauerhafter, globaler, beispielloser und tiefgreifender Wandel steht bevor. Immer mehr ältere Leute, immer weniger Kinder können zu einem Krieg der Generationen führen. Er ist nur durch sofortige Maßnahmen zu verhindern.“ In naher Zukunft, so Buddemeier stünden nur noch die Hälfte der Deutschen im erwerbsfähigen Alter, die aber oft als „Eingeborene von Digitalien“ von Medienverwahrlosung, Gewalt, Alkohol und Drogen bedroht seien.

Und die künftigen Alten? Sie werden durch den Jugendwahn diskriminiert, heute schon würden 41 Prozent aller deutschen Firmen nur noch Mitarbeiter unter 50 Jahren beschäftigen. Um da nicht als „lebende Leichname“ zu enden, gibt es Buddemeier zufolge nur eine Chance: „Die persönliche Entwicklung sofort in die eigene Hand nehmen.“ Eine geistige Altersvorsorge sei nötig, damit alle finanziellen Absicherungen überhaupt einen Sinn hätten.

Wie ist das zu bewerkstelligen? „Augenblicke innerer Ruhe schaffen, Wesentliches von Unwesentlichem unterscheiden, hin- und her gehen zwischen Außen- und Innenbetrachtung seiner selbst. Sich fragen, warum genieße ich etwas? Und den Genuss ansehen wie einen Kundschafter.“

Wenn die Seele den natürlichen Abbau des Leibes im Alter erlebe und nicht vom Geist angeregt werde, dann drohe Demenz. Buddemeier zitierte immer wieder neue Forschungsergebnisse: „Wer von sich selbst positiv denkt, lebt im Durchschnitt sieben Jahre länger.“ Das schmutzige Wort Ruhestand muss besser als Moment der Freiheit verstanden werden. „Worauf lebe ich zu, wenn ich älter werde? Auf den Tod; und damit die verdrängte Todesangst nicht zur tiefsten Krankheit führt, muss die Aussöhnung mit dem Tod folgen. Im Kampf gegen das Ende gelassener werden.“

Also: Ständige geistige Arbeit ist ein Gewinn fürs Alter und verringert die Wahrscheinlichkeit der Demenz. Buddemeier kam zum Schluss auf sein Lieblingsthema zurück: „Im Durchschnitt sitzen die Leute fünf Stunden täglich vor dem Fernseher. Ein ich-dämpfender Faktor, bei dem das Gehirn wie abgeschaltet ist. Ich wünsche mir ein Forschungsprojekt: Wie wirkt sich die Mediennutzung auf das Alter aus?“ Dagegen setzt Buddemeier auf eine Forderung: „Ältere Menschen müssen möglichst lange ein Leben führen, in dem sie eine Bereicherung für andere sind.“