Oldenburg/Westerstede - Im Prozess in Oldenburg um Bilanzmanipulationen beim Möbelkonzern Steinhoff steigt der Druck auf den früheren Konzernchef, den Südafrikaner Markus Jooste, der womöglich sogar ein Fall für Interpol werden könnte. Das Oberlandesgericht (OLG) Oldenburg hat in dieser Woche die Beschwerde gegen einen Haftbefehl gegen den 62-Jährigen zurückgewiesen. „Der Haftbefehl bleibt aufrechterhalten“, sagte eine OLG-Sprecherin am Donnerstag auf Anfrage unserer Redaktion. Einzig beim Haftgrund habe es eine Änderung gegeben: Er lautet nun Fluchtgefahr statt Flucht.

Zeitweise war die Steinhoff-Aktie sogar im MDax notiert. Jetzt steht das Ende der Börsennotierung an.

DEUTLICHE MEHRHEIT FÜR AUFLÖSUNG Ende der Steinhoff-Aktie besiegelt

Jörg Schürmeyer
Amsterdam
Am Landgericht Oldenburg könnte schon in wenigen Wochen das Urteil im Prozess um Bilanzmanipulation bei Steinhoff gefällt werden.

VERFAHREN UM BILANZMANIPULATION IN OLDENBURG Steinhoff-Prozess könnte deutlich früher enden

Jörg Schürmeyer
Oldenburg

Die Staatsanwaltschaft wirft Jooste Anstiftung zur Bilanzmanipulation in Milliardenhöhe vor. Der Südafrikaner war dem Prozessauftakt Mitte April am Landgericht Oldenburg allerdings ferngeblieben. Sein Anwalt hatte erklärt, dass sein Mandant wegen strafrechtlicher Ermittlungen in dem Bilanzskandal gegen ihn in Südafrika das Land nicht verlassen könne. Es gebe seit 2017 eine entsprechende Vereinbarung zwischen Jooste und der südafrikanischen Justiz.

Die Staatsanwaltschaft in Oldenburg hielt diese Argumentation allerdings für wenig glaubhaft und beantragte, Haftbefehl gegen Jooste zu erlassen. Die zuständige 2. Kammer des Landgerichts hatte die Verhandlung gegen den Südafrikaner daraufhin zunächst ausgesetzt. Einige Zeit später erließ sie dann in der Tat einen Haftbefehl gegen den früheren Steinhoff-Konzernchef. Dagegen hatte dann die Jooste-Seite Beschwerde eingelegt, weshalb der Fall vor dem OLG landete.

Über das weitere Vorgehen muss nun die Staatsanwaltschaft entscheiden. Sie könnte nun etwa Joostes Auslieferung aus Südafrika beantragen oder - wie etwa der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg schreibt - womöglich sogar Hilfe von Interpol anfordern.

Im Mittelpunkt der Bilanzaffäre bei Steinhoff: Ex-Konzernchef Markus Jooste

PROZESS UM BILANZMANIPULATION Ex-Steinhoff-Chef – Haftbefehl ist nun ein Fall fürs Oberlandesgericht Oldenburg

Jörg Schürmeyer
Oldenburg

Die Staatsanwaltschaft selbst hielt sich am Donnerstag noch bedeckt. Eine Sprecherin teilte auf Anfrage lediglich mit, dass man Kenntnis über die Entscheidung des OLG habe. Allerdings seien die Akten noch nicht bei der Staatsanwaltschaft eingegangen und erst nach deren Eingang könne über weitere Schritte entschieden werden.

Der Steinhoff-Konzern, dessen Wurzeln in Westerstede im Ammerland liegen von wo auch lange Zeit das Europa-Geschäft gemanagt wurde, hat seinen Hauptsitz in Amsterdam. Das operative Geschäft wird schon seit Langem aus Südafrika gesteuert.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft