STEINKIMMEN - Nein, ein Traumjob ist es auf den ersten Blick nicht, was Stefan Rose da tut. Es ist windig und es regnet, der Boden ist rutschig und die Dämmerung kommt, als der 29-Jährige endlich Steinkimmen, sein Etappenziel, erreicht. Und die Aussicht auf das Nachtquartier – eine einfache Pritsche im Transporter oder die Luftmatratze im Zelt – ist auch alles andere als verlockend. Und trotzdem liebt Rose seinen Beruf.
Drei Wochen lang ist Rose zu Fuß von Norddeich nach Grethem bei Hodenhagen unterwegs. Dort betreibt er eine Schäferei, die auch das Ziel des Marsches ist. Wenigstens einsam ist der gelernte Wasserbauer nicht: Nur wenige Schritte hinter ihm trappeln rund 1200 Schafe, die von den Deichen im Nordwesten ins heimische Winterquartier gebracht werden müssen. Unterstützt wird Rose von Thilo Fleischer, der den Begleitbus mit Transportanhänger für schwache oder verletzte Schafe fährt. Und nicht zu vergessen auch durch seine vier Hütehunde.
Während der Hinweg im Frühjahr per Lkw – genauer gesagt mit fünf Lkws – bewältigt wird, weil die Lämmer noch zu jung sind, um die rund 300 Kilometer weite Strecke zu laufen, geht es zurück seit drei Jahren zu Fuß. Etwa 5000 Euro Transportkosten spart Rose auf diese Weise – bei Wollpreisen auf Kellerniveau eine Menge Geld.
Aber auch eine politische Botschaft möchte der Schäfer mit seinem Marsch vermitteln: Er ärgert sich über den Beschluss der Europäischen Union, die elektronische Kennzeichnung für Schafe ab dem 1. Januar 2010 zur Pflicht zu machen. Zwar komme die Tierseuchenkasse für die Kennzeichnung auf. „Aber die Kosten kommen über die Kasse dann wieder auf uns zurück.“
Auf ihrer Tour erhalten, Rose, Fleischer, die Hunde und die übrigen 1200 des Teams viel Aufmerksamkeit: Neben diversen Journalisten von der schreibenden Zunft war auch das Fernsehen mehrfach da. Und auch die Anwohner beobachten den tierischen Treck. „Die Bauern unterstützen uns sehr“, so Rose. „Sie stellen uns nicht nur ihre Weiden zur Verfügung, sondern lassen uns bei ihnen duschen, waschen unsere Sachen oder nähen uns mal einen Knopf an.“ Und auch eine Tasse heißen Kaffee gebe es unterwegs häufig, freut sich Rose. „Den bringen uns die Leute sogar hinterher!“
