Stellenbosch - Für den früheren Chef des Möbelkonzerns Steinhoff (Stellenbosch/Amsterdam), wird es im Zusammenhang mit dem Bilanzskandal nun ernst: Der Aufsichtsrat habe Markus Jooste jetzt angezeigt. Das berichteten die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und die „Börsenzeitung“. Ihm werde Verstoß gegen das Gesetz zur Vermeidung und Bekämpfung von Korruption vorgeworfen, habe die Interims-Aufsichtsratsvorsitzende Heather Sonn bei einer Anhörung im südafrikanischen Parlament mitgeteilt.
Jooste (57) war im Dezember zurückgetreten, nachdem Unregelmäßigkeiten in der Bilanz bekanntgeworden waren. Die Zahl der Jahre, die betroffen sein könnten, wurde bereits bis 2015 ausgeweitet. Steinhoff-Bilanzen werden jetzt von einer Beratungsfirma näher untersucht.
In einer Mail an Mitarbeiter soll der Ex-Chef laut der „FAZ“ damals „große Fehler“ eingeräumt haben. Der Aktienkurs stürzte ab.
In Südafrika liegt die Anzeige nun bei den „Hawks“ (Habichte). Dies ist eine Spezialeinheit der südafrikanischen Polizei, die sich u.a. mit Wirtschaftskriminalität befasst.
Auch bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg laufen – bereits seit Herbst 2015 – Ermittlungen. Hier geht es, im Umfeld des Europa-Geschäfts, um den Verdacht auf Bilanzfälschung.
Jooste war einst eine Art Unternehmer-Star. Das rasante Wachstum von Steinhoff (auch durch kreditfinanzierte Zukäufe) unter seiner Ägide beeindruckte über Jahre auch deutsche Aktionäre und Aufsichtsräte schwer. Der größte Aktionär, Christo Wiese, sagte jetzt laut „FAZ“ im Parlament, der Bilanzskandal sei „wie ein Blitz aus heiterem Himmel“ gekommen. Allein Wieses Nettovermögen soll laut „Bloomberg“ wegen des Skandals um mehrere Milliarden Dollar geschrumpft sein.
Steinhoff ist in Frankfurt börsennotiert. Wurzeln des Unternehmens liegen in Westerstede. Aktuell geht es mehreren Börsenmitteilungen zufolge darum, den laufenden Betrieb abzusichern.
