Stellenbosch - Kein Tag ohne Nachrichten aus dem Möbelkonzern Steinhoff (Stellenbosch/Amsterdam), der von einem Bilanzskandal erschüttert wird: Er verkauft Anteile an der südafrikanischen Investmentgesellschaft PSG Group, wie am Freitag mitgeteilt wurde. Dadurch flössen dem Konzern umgerechnet rund 293 Millionen Euro zu. Zudem zahlt die Tochter Steinhoff Retail Africa ein Darlehen über rund eine Milliarde Euro zurück, wie der Dienst Dow Jones meldete.

Die Schritte werden als Teil eines Paketes verstanden, um die Finanz-Situation zu verbessern. Nächste Woche steht ein Treffen mit Banken an.

Der Kurs der in Frankfurt notierten Steinhoff-Aktie war eingebrochen, nachdem Unregelmäßigkeiten in der Bilanz bekannt geworden waren. Der Vorstands-Chef Markus Jooste musste gehen.

Jetzt wurde die Spitze erneut ausgetauscht: Übergangschef Christo Wiese zieht sich zurück. Er ist auch der größte Aktionär. Mit dem Rückzug sollten Interessenkonflikte ausgeschlossen werden, hieß es. Die gelernte Investmentbankerin Heather Sonn aus dem Aufsichtsrat übernimmt den Vorsitz.

Unterdessen wurde bei Wiese ein Verkauf von 98,4 Millionen Steinhoff-Aktien ausgelöst. Banken hätten Sicherungsrechte genutzt, hieß es in einer Börsenmitteilung. Die Anteilsreduzierung führte demnach zum Ende eines Stimmen-Pools (30 %) von großen Steinhoff-Aktionären, der „substanzielle Kontrolle“ sichern sollte. Auch Aktien von Deutschen sind dem Vernehmen nach im Pool dabei.


Steinhoff, heute operativ von Südafrika aus geführt und mit juristischem Sitz in Amsterdam, hat Wurzeln in Westerstede (Ammerland). Dort startete Bruno Steinhoff in den 60er Jahren mit einem Möbelhandel.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)