STENUM - MdB Holger Ortel hatte den SPD-Tierschutzbeauftragten zu Gast. Beide sprachen mit Kreisveterinären.

Von Hergen Schelling

STENUM - Mehr Bürokratie, mehr Handlungsbedarf, mehr öffentlicher Erwartungsdruck: Die Veterinärämter der Kreise und kreisfreien Städte stöhnen unter der zunehmenden Aufgabenlast bei meistens gleich bleibender Personalstärke. Auf dieses Missverhältnis wiesen der SPD-Bundestagsabgeordnete Holger Ortel (Delmenhorst) und der Tierschutzbeauftragte seiner Fraktion, Dr. Wilhelm Priesmeier, gestern in einem Pressegespräch im Hotel Backenköhler in Stenum hin.

Zuvor hatten sich die Politiker zwei Stunden lang mit den Leitern der Veterinärämter in der Region unterhalten. Die Amtsleiter Dr. Jochen Vahrenhorst (Landkreis Oldenburg), Dr. Jan Coring (Stadt Oldenburg), Dr. Georg Garrels (Delmenhorst) und Dr. Norbert Heising (Wesermarsch) waren der Einladung gefolgt.

„Die Veterinärämter werden mit Arbeiten überhäuft, die eigentlich nicht zu ihrem Aufgabengebiet gehören“, beklagte Ortel. Das Nachmessen von Spaltenbreiten in den Böden von Rinderställen sei ein Beispiel, so der Abgeordnete: „Das muss nicht unbedingt von Tierärzten gemacht werden“, meinte auch Priesmeier.

Diese und zahlreiche weitere Mess- und Kontrollarbeiten werden den Veterinärämtern aber im Zuge des so genannten „Cross-Compliance“-Systems aufgebürdet, nach dem die Europäische Union jetzt die Fördermittel an die Landwirtschaft vergibt. „Jedes Jahr kommen neue Themen hinzu“, schilderte Vahrenhorst die Situation.


Sein Kollege Garrels aus Delmenhorst schlug in die gleiche Kerbe: „Die Regelungen werden immer vielfältiger“, meinte er und gestand ein, dass selbst er als Experte zunehmend Schwierigkeiten habe, den Landwirten stets die richtigen Antworten auf ihre Fragen zu geben. Deutsches und europäisches Recht im Veterinärbereich sei „inzwischen so vernetzt und verworren“, beklagte auch Holger Ortel, „das geht fast bis zur Unerträglichkeit“.

Durch die Auflösung der Ämter für Agrarstruktur in den Bezirksregierungen habe die Landesregierung die Aufgabenlast für die Veterinärämter zusätzlich erhöht, ergänzte Ortel. Sie müssten von Aufgaben, die nicht zwingend in ihr Fachgebiet gehören, entlastet werden.

Kein Thema bei der Besprechung waren die aktuellen Vorwürfe gegen Dr. Jochen Vahrenhorst im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen die Bookholzberger Notschlachterei Schwarting. Eine Tierschutzorganisation hatte den Kreisveterinär der Vorteilsannahme bezichtigt, jetzt wird auch gegen ihn ermittelt. Vahrenhorst wollte sich gestern dazu nicht mehr äußern, Ortel sagte nur soviel: Wenn eine Anzeige eingehe, seien die Strafverfolgungsbehörden verpflichtet, zu ermitteln.