Elsfleth - „Wär’n wir bloß in Afrika geblieben!“ Das mag sich an diesen kalten Tagen und in noch kälteren Nächten mancher Storch denken, der auf seinem Nest bibbernd auf Frühling und wärmere Tage hofft. Das Storchenpaar am Erlenteich ficht die ungewöhnliche Witterung im März dagegen nicht an. Dort haben Meister Adebar und seine Partnerin im Spätsommer 2012 gar nicht erst den langen Weg in den Süden angetreten, sie haben abgehärtet die Wintermonate im kalten Norden gut überstanden.
Das ging nicht ganz ohne Hilfe. Wie in vielen Jahren zuvor kümmerten sich die „Storcheneltern“ Mandy und Herbert Dettmann mit regelmäßiger Fütterung um das Wohlergehen ihrer gefiederten Nachbarn. Vier Jungtiere konnte das ursprüngliche Storchenpaar am Erlenteich 2012 großziehen. Nachdem zuerst die Jungen und danach das Altpaar das Nest verließen, stand es 14 Tage leer. Dann bezog ein anderes Paar das vakante Domizil, um dort die Wintermonate zu verbringen. Herbert Dettmann: „Sollten die Sommerstörche doch noch wieder kommen, dann gibt es Kämpfe“.
Für welches Nest sich die Störche in Fünfhausen entscheiden, bleibt in diesen Tagen noch spannend. „Ab und zu lässt sich das Paar auf dem Nest nieder, ist aber oft über viele Stunden unterwegs“, hat Bärbel Büsing beobachtet. Das könnte daran liegen, dass die Fünfhauser Störche noch abwägen, ob sie nicht doch das neue Nest auf dem Grundstück von Familie Jüchter an der benachbarten B 211 vorziehen. Georg Jüchter hatte das Storchennest erst im vergangenen Jahr aufgestellt, zwei Störche ließen sich dort auch nieder, zu einem Bruterfolg kam es aber nicht.
Bereits gesichtet wurden auch zwei Störche in Moordorf. Dort steht seit 13 Jahren das Nest auf einem Laternenpfahl vor dem Fachwerkhof am Höfeweg 21. Ob es der bisher standorttreue „Butti“ mit Partnerin ist, konnte noch nicht ausgemacht werden. Weitere Domizile finden Störche in der Region Elsfleth bei Kuck in Nordermoor und beim Hof Raddatz in Neuenfelde.
„In diesen Tage müssen die Störche eine harte Zeit durchmachen,“ sagt Udo Hilfers von der Storchenpflegestation in Glüsing bei Berne: „Während des Rückfluges aus dem Süden verlieren sie viele Reserven, die zurzeit nicht aufgefüllt werden können. Wir hoffen, dass die Rückkehrer diese kalte Periode überstehen, aber leider guckt noch kein Regenwurm aus dem gefrorenen Boden und es ist kein Frosch zu finden.“
Im Übrigen flögen längst nicht mehr alle Störche in die afrikanischen Länder bis hinunter nach Südafrika, weiß Hilfers. „Viele Tiere, die die Westroute nehmen, bleiben im südlichen Spanien oder Portugal und ernähren sich dort auch auf den Müllkippen. Andere Störche, die die Bosporus-Route fliegen, überwintern auch in Israel“, erzählt der Fachmann.
