Oldenburg/Bremen - Am Anfang schien alles perfekt zu passen. Hier die innovative deutsche Reederei, ein in den vergangenen Jahren erfolgreicher mittelständischer Betrieb, der jetzt auf der Suche nach frischem Geld war – und auf der anderen Seite das amerikanische Investmentunternehmen, das immer nach attraktiven Anlagemöglichkeiten Ausschau hielt.

Das Verhandlungsklima zwischen der Beluga-Reederei und Investor Oaktree war geprägt von dem gemeinsamen Willen, das Verbesserungspotenzial der Reederei zu nutzen und sich erfolgreich auf den Weg in die Zukunft zu machen. Der Deutschland-Chef von Okatree, Hermann Dambach, berichtete am Dienstag vor dem Bremer Landgericht, wie vielversprechend das Engagement gewesen sei. Mit insgesamt 175 Millionen Euro war Oaktree 2010 bei Beluga eingestiegen.

Der größte Teil wurde als Kredit bezahlt und mit der Beluga-Schiffsflotte abgesichert, für 9,5 Millionen erwarb man 37,5 Prozent der Beluga-Anteile. Intern habe man für das auf maximal sieben Jahre geplante Investment eine Jahresrendite von 30 Prozent erhofft, im Vertragswerk festgeschrieben wurden 20 Prozent, sagte der Manager als Zeuge in dem Prozess gegen den jetzt in Oldenburg lebenden ehemaligen Beluga-Chef Niels Stolberg und drei weitere Reederei-Manager aus.

Erste Unstimmigkeiten habe es dann gegen Ende des Jahres 2010 gegeben, als plötzlich weiterer Finanzbedarf entstanden sei – eine Situation, die nach der eigentlichen Finanzplanung nicht hätte sein dürfen. Erneut seien deshalb Experten eines Wirtschaftsprüfungsunternehmens in Gang gesetzt worden, um nach den Ursachen zu forschen. In diesem Zusammenhang, so der Zeuge, sei durch einen Informanten bekannt geworden, dass Beluga zuvor gefälschte Bilanzen vorgelegt und nicht vorhandene Aufträge vorgetäuscht habe. Dass es daraufhin zum Rauswurf von Stolberg gekommen sei, bezeichnete Dambach als folgerichtig.

Wenige Tage nach der Trennung meldete Okatree im Februar 2011 die Reederei als insolvent. In seiner Erklärung zum Prozessauftakt hatte Stolberg die Vermutung geäußert, dass Oaktree von Anfang an vorgehabt habe, die vollständige Kontrolle über das Unternehmen zu bekommen.

Jürgen Westerhoff