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Traditionelle Weizenernte In Butjadingen Knochenarbeit unter sengender Sonne

Ulrike Krebs

Stollhamm/Moorsee - Das Thermometer zeigt über 32 Grad. Direkt am Stollhammer Deich wird Weizen geerntet. Doch über das riesige, staubige Kornfeld mit dem knochenharten Boden fährt kein gigantischer Mähdrescher. Drei Männer arbeiten sich, ausgestattet mit Sichten und Pickhaken, mühsam voran. Die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel. Und an Feierabend ist noch längst nicht zu denken.

Das ist aber halb so wild. Denn Jan Dunkhase, Hans-Hermann Struß und Christoph Tantzen rackern sich völlig freiwillig in der Hitze ab. Unterstützt werden sie bei ihrer schweißtreibenden Arbeit von einem halben Dutzend anderer freiwilliger Helferinnen und Helfer, die die Garben binden und sie anschließend in den bereitstehenden Pferdeanhänger verfrachten.

100 Garben sind das Ziel

Nach rund einer Dreiviertelstunde sind etwa 30 Garben fertig, 100 sollen es trotz der tropischen Temperaturen am Ende werden. „Wir machen das gerne. Und wir stehen ja hier nicht unter Zeitdruck“, sagen die drei Mitglieder des Rüstringer Heimatbund übereinstimmend.

  Benötigt wird der Weizen, der nach der Feuchtigkeit im Frühjahr und der sich daran anschließenden Trockenperiode diesmal nur mäßig gewachsen ist, für das große Mühlenfest, das am 11. und 12. August zum 30. Mal bei der Moorseer Mühle stattfinden den wird. Dort wird das Getreide direkt vor den Augen der Besucher nach alter Tradition gedroschen.

Weil der Weizen in diesem Sommer nicht so üppig steht, gestaltet sich der Umgang mit den Sichten – das sind Sensen mit einem deutlich kürzeren Stiel – für die Männer aufwendiger als gewöhnlich. Normalerweise braucht es für eine Garbe fünf Schläge vorwärts und zurück. In diesem Fall müssen die freiwilligen Feldarbeiter jeweils sieben Hiebe ausführen. Die gute Laune lässt sich deshalb aber niemand nehmen. Im Gegenteil. Die Männer reden über die Hitze, erinnern sich gemeinsam an alte Zeiten.


Früher waren auf dem 1856 eingefassten Deichgelände zwischenzeitlich noch Bohnen angebaut worden. „Da wurde dann auch geharkt, was die Unkrautbildung natürlich weitgehend unterband. Heute macht das alles die Chemie“, berichtet Dr. Wolfgang Meiners von der Umweltstation Iffens. Er hat als Kind noch die von den Pferden gezogene Harkmaschine im Einsatz erlebt. Lang ist’s her.

Nach der ersten Arbeitsstunde gibt es für alle auf dem Feld erst einmal eine Stärkung mit Butterkuchen, Kaffee und kalten Getränken. Früher, als die Getreideernte noch grundsätzlich manuell erfolgte, wurde jeder Erntetag mit einer klassischen Vesper abgeschlossen. Damals lag das zu absolvierende Arbeitspensum bei einem halben Hektar pro Tag. Die Feldarbeiter waren morgens ab halb vier im Einsatz.

Nachwuchs fehlt

Heute beherrschen nur noch wenige das anstrengende Handwerk, bei dem das Denglergeschirr mit Sichte und Pickhaken zum Einsatz kommt – die Messer müssen je nach Beanspruchung ein bis zwei Mal am Tag nachgeschliffen werden. „Wir brauchen dringend Nachwuchs“, sagt Hans-Gerd Gerdes. „Aber es meldet sich leider niemand.“ Der älteste Helfer am Stollhammer Deich ist Erwin Jürgens mit seinen 77 Jahren. Die meisten anderen sind nur unwesentlich jünger.

Vielleicht tritt eines Tages Jurij Gerdes in die Fußstapfen der Männer. Der erst Vierjährige ist am Nachmittag zum ersten Mal mit von der Partie und schleppt eifrig die fertigen Garben in den Anhänger.

Möglicherweise finden sich in Kürze auch einige Schülerinnen und Schüler der Oberschule 1 in Nordenham, die bei der Ernte künftig mithelfen. Denn Lehrer Torsten Lange wird im nächsten Schuljahr ein Kooperationsprojekt mit der Moorseer Mühle realisieren. „Müllerpraktikum 1900“ lautet der Titel des Wahlpflichtkurses für die Achtklässler, bei dem auch das Mähen nach traditioneller Art auf dem Stundplan steht.

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