STOLLHAMM - Das Wiesenvogelschutzprogramm in der Stollhammer Wisch steckt in einem kleinen Dilemma: Trotz der unterschiedlichen Maßnahmen zum Schutz der Bodenbrüter (zum Beispiel erst spätere Ernte auf den Feldern) bleibt der Burterfolg aus. Nun sollen die Jäger dem Schutzprojekt helfen.
Denn: Gutachten haben ergeben, dass die Nester, die durch das Wiesenvogelprojekt geschützt werden sollen, vielfach von Fressfeinden (so genannten Prädatoren) ausgeräubert werden oder junge Küken gefressen werden. Die Zahlen stellte der Naturschutzfachmann des Landkreises Wesermarsch, Thomas Garden, den beteiligten Jägern Freitagabend im „Huus an’n Siel“ vor.
Demnach gab es zum Beispiel bei den Kiebitzen im vergangenen Jahr Verluste bei den Eiern in Höhe von 40 Prozent durch Prädatoren. 2006 waren es sogar 50 Prozent. Bei den anderen Wiesenvögeln sieht es ähnlich aus.
Ziel des Wiesenvogelprojektes ist es, Lebensraum zu schaffen, in dem die Wiesenvögel ihre Art selber erhalten können. Beim Kiebitz wären das statistisch mindestens 0,8 Küken pro Brutpaar. Doch diese Zahl werde nicht mehr erreicht. Und hier kommen nun die Jäger ins Spiel. Bei allen anderen Stellschrauben haben die Projektbeteiligten bereits gedreht. Nun kommt nur noch eine gezielte Bejagung der Prädatoren in Betracht, um den Erfolg des Projektes nachhaltig zu sichern.
Diesem Hilferuf verweigerten sich die Jäger nicht. Zur Informationsveranstaltung der Kreisjägerschaft am Freitag kamen mehr als 50 Jäger aus den zwölf betroffenen Revieren. Sie sollen nun dafür sorgen, dass der Druck der Prädatoren auf die Wiesenvögel abnimmt. Als Prädatoren gelten vor allem der Mäusebussard, Fuchs, Hermelin und die Rabenkrähe.
Unterstützung gab es für die Jäger am Freitag auch von oberster Stelle: Die beiden Vize-Präsidenten der Landesjägerschaft Niedersachsen, Christoph Böckmann und Josef Schröer, nahmen ebenfalls an der Versammlung teil. Böckmann berichtete aus Hannover, dass die Jäger zurzeit einen positiven Imagewandel durchlebten. Das Projekt Stollhammer Wisch sei für Niedersachsen zu einem einzigartigen Vorzeigeprojekt herangewachsen. Jäger und Naturschützer hätten ein gemeinsames Ziel in der Stollhammer Wisch. Aber die Jäger seien nicht nur Gehilfe. Sie seien echte Partner.
Auch der Kreisjägermeister der Wesermarsch, Eckard Busch, freute sich. In der Vergangenheit sei das Verhältnis zwischen Naturschutz und Jägerschaft eher wie Feuer und Wasser gewesen, das ändere sich durch das Projekt.
Allen Beteiligten war klar, dass effektives Eingreifen nur durch Falle oder Flinte möglich ist. Daher erläuterten zwei Referenten noch einmal die Grundsätze einer effektiven Bejagung und eines Prädatoren-Managements. Sven Lübbers (Leiter Jägerlehrhof Jagdschloss Springe) führte in die moderne Bejagung von Rabenkrähen ein. Sören Peters von der Forstverwaltung des Fürsten zu Schaumburg-Lippe erklärte moderne Formen der Bejagung von Fuchs und anderem Haarraubwild durch Fallen und Kunstbaue.
Oberstes Gebot auch in der Stollhammer Wisch: Jagdgesetze und Jagdethik. Aber die Jäger sind nun aufgefordert, intensiv den Fressfeinden nachzustellen. Wie dies auch praktisch am besten geht, zeigten die Referenten am nächsten Tag bei einer Exkursion vor Ort.
Wichtig sei auch konsequente Dokumentation, erklärte Hans-Gerd Dörrie, Initiator des Treffens und der Exkursion. Nur so lasse sich die wirkungsvollste Jagdmethode für die Stollhammer Wisch herausfinden. Damit die Jäger ihren Auftrag erfüllen können, gibt es Zuschüsse aus dem Landwirtschaftsministerium, mit denen Reviere Fallen und Kunstbaue kaufen können, erläuterte Dörrie im Gespräch mit der NWZ .
