Butteldorf - Nähert sich ein Fremder dem alten Fachwerkhaus am Höfeweg in Butteldorf setzt eine ohrenbetäubende Kakophonie ein – drei Gänse machen dem Fremden mit aggressiv vorgestreckten Hälsen lautstark klar: „Bis hierhin und nicht weiter!“ Ihnen folgt eine eher gelassen gackernde Hühnerschar samt stolzem Hahn, die Kaninchen in ihren Ställen bleiben stumm und die schwarz-weiß gefiederte „Hausherrin“ auf dem Nest in luftiger Höhe denkt gar nicht daran, ihr Brutgeschäft wegen des Krachs zu unterbrechen.
Ab und zu zupft die Störchin mit dem Schnabel ein bisschen die Nestpolsterung zurecht, nimmt wieder Platz und wartet auf ihren zurzeit aushäusigen Ehemann „Butti“ – wer weiß, was der wieder Leckeres mit ins Nest bringt.
Einer, der sich am meisten über die alljährliche Wiederkehr „seiner“ Störche freut, ist Hofbesitzer Helmut Fokkena. Der Oldenburger kaufte das Fachwerkanwesen im Jahr 1992 und gemeinsam mit seinem damaligen Mieter wurde mit Hilfe der Berner Storchenstation bald ein ausgedienter Telegrafenmast aufgestellt und ein künftiges Nest errichtet. Hausbesitzer und Mieter hatten das Areal zuvor mit einer Wünschelrute auf Wasseradern abgeklärt und das Nest wurde sofort von einem Storchenpaar bezogen.
Seitdem hat es am Höfeweg kein Jahr ohne Störche und Nachwuchs gegeben. „Im vergangenen Jahr“, so erzählt Helmut Fokkena, „hatten ,Butti’ und seine Frau erstmals vier Jungtiere ausgebrütet. Eines der Jungen verletzte sich am Flügel und wird zurzeit von Udo Hilfers in der Storchenstation wieder aufgepäppelt.“
Der Berner Storchenfachmann beringt auch die Butteldorfer Jungstörche und richtet in jedem Frühjahr das Nest so her, dass die gefiederten Mieter nichts renovieren müssen. Ende Februar bezog Storch „Butti“ das Nest, seine Gefährtin kam eine Woche später. Nach mehrfacher Storchenhochzeit ist jetzt das Brutgeschäft im Gang, aber wie viele Eier das Paar ausbrütet, ist noch ein Geheimnis.
Auch wenn Meister Adebar längst nicht mehr im Verdacht steht, die Babys zu bringen – ein viel geliebter Vogel ist er allemal. Vor allem für Helmut Fokkena: „Wenn ich im Frühjahr zum ersten Mal das Paar auf dem Nest sehe, wenn es sein Brutgeschäft verrichtet und der Nachwuchs schlüpft und aufgezogen wird, dann macht mich das richtig glücklich!“
