STREEKERMOOR - Nur einige hundert Kilometer Entfernung trennen die Landfrauenvereine in Niedersachsen normalerweise von ihren Schwestervereinen in Mecklenburg-Vorpommern. Dennoch sind die Unterschiede in der Vereinsstruktur und in der alltäglichen Arbeit der Vereine teilweise riesig.
Diese Erkenntnis nehmen die Vorstände der drei Hatter Landfrauenvereine Kirchhatten, Streek und Tweelbäke von einem Treffen mit Vertreterinnen des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern am Rande des deutschen Landfrauentages mit.
Im Gasthof Ripken in Streekermoor, wo die 46 Frauen während ihres Besuchs Quartier bezogen hatten, trafen sie sich am Dienstagabend mit den hiesigen Landfrauen zum Erfahrungsaustausch. Schnell wurde klar: Die unterschiedliche Geschichte führte auch zu völlig unterschiedlichen Arbeitsformen – die Probleme gleichen sich aber teilweise. Ein wesentlicher Unterschied ist die Größe der Vereine. Während die Ortsverbände im Kreis Oldenburg bei deutlich über 100, teilweise bei mehreren 100 Mitgliedern liegen, hat in Mecklenburg-Vorpommern in der Regel der Kreisverband kaum mehr als 100 Frauen in seinen Reihen.
Zu ihrem Ortsverband gehörten gerade 22 Frauen, berichtet die 2. stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Ulrike Legde. Die Landfrauen aus dem Kreis Oldenburg staunten dafür umso mehr, was die kleinen Vereine aus dem Osten leisten. Meist Anfang der 1990er Jahre gegründet, waren sie nach dem Ende der DDR Auffangbecken für arbeitslos gewordene Frauen.
Die Landfrauenvereine waren Träger von AB-Maßnahmen; der Kreisverband Bad Doberan ist bis heute Arbeitgeber und betreibt mit dem „Brotkorb“ eine Essensausgabe für bedürftige Familien, vergleichbar dem Prinzip der „Tafeln“. Hannelore Barthel, Kreisvorsitzende im Verband Mecklenburg-Strelitz, berichtete von ihrer eigenen Langzeitarbeitslosigkeit und wie sie elf Jahre als Sozialarbeiterin für den Landfrauenverband gearbeitet hat. Wirklich erstaunt aber waren die Hatter Landfrauen, als sie hörten, dass in Mecklenburg-Vorpommern der Landfrauenverband einen eigenen Kindergarten betreibt, in dem Kinder von 5.45 Uhr am Morgen bis 18 Uhr am Abend betreut werden.
Die Gäste wiederum zeigten sich beeindruckt von der Größe der hiesigen Vereine und vom System der Vertrauensfrauen, die für einen schnellen Informationsfluss innerhalb der Vereine sorgten.
Ähnlich sind in beiden Landesverbänden die Probleme, das Durchschnittsalter der Mitglieder ist hoch, und hier wie dort kämpfen die Vereine mit dem falschen Image, dass in den Landfrauenvereinen nur Frauen aus der Landwirtschaft organisiert seien. Einig waren sich beide Seiten darin, dass sowohl der Landfrauentag als auch der gemeinsame Abend ein voller Erfolg waren. Und der fleißige Austausch von Adressen stellt sicher, dass an diesem Abend geknüpfte Kontakte in Zukunft erhalten bleiben.
