Hannover/Oldenburg - Öko-Landwirte und Naturschützer fordern nach dem rot-grünen Landtagswahlsieg in Niedersachsen eine radikale Agrarwende. Andere Bauernverbände warnen vor einem kompletten Umbruch.

Landvolk-Präsident Werner Hilse forderte von SPD und Grünen eine „redliche und sachliche Auseinandersetzung zu agrarpolitischen Themen“. Die geplante Agrarwende gilt als einer der heikelsten Punkte in den Koalitionsgesprächen.

Die alternative Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) forderte am Mittwoch von der neuen Landesregierung eine klare Orientierung auf das Ziel „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“. Der Regierungswechsel sei auch eine Folge „der Unzufriedenheit mit der zunehmenden Agrarindustrialisierung“, sagte AbL-Landeschef Martin Schulz. Der Verband forderte ein Recht für Kommunen, Agrarfabriken mit mehr als 1500 Schweinemast-, 600 Rinder- und 15 000 Geflügelplätzen zu verhindern. Der Tierschutzplan müsse konsequent umgesetzt werden.

Auch die Naturschutzverbände BUND und Nabu forderten einen massiven Umbau der Landwirtschaft. „Die absurde Subventionierung der Agrarindustrie führt zu schweren ökologischen und letztendlich auch ökonomischen Schäden“, erklärte Carl-Wilhelm Bodenstein-Dresler, Geschäftsführer des BUND in Niedersachsen. Die Bürger hätten Massentierhaltung mit Antibiotikamissbrauch, Mais-Monokulturen und Nitrat im Grundwasser „endgültig satt“.

Landvolk-Präsident Hilse betonte, sein Verband nehme die aktuell geäußerte Kritik an einzelnen Entwicklungen in der Landwirtschaft sehr ernst. Er forderte die Politik aber auf, sich an „Fakten und Realitäten“ zu orientieren und nicht pauschale Vorurteile unreflektiert wiederzugeben. Niedersachsen sei das wichtigste Agrarland in Deutschland. Hilse bot der Politik Gespräche an.


Der Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg, Arendt Meyer zu Wehdel, sagte im Hinblick auf die neue Landesregierung: „Ich wünsche mir, dass wir sofort in einen vernünftigen Dialog treten.“

Der Dialog gehöre zur Demokratie. Er sei „auch zuversichtlich, dass wir das hinbekommen“. In Teilen der Landwirtschaft gibt es Befürchtungen, dass die Grünen in der neuen Regierung das Agrarressort bekommen und sofort radikale Reformen einleiten.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)