Berlin - Die Einkaufspreise für Strom an der Börse sind seit Jahren im Tiefflug, beim Endverbraucher kommt davon kaum etwas an. Privatkunden müssen annähernd 30 Cent pro Kilowattstunde zahlen. Das sind nach Dänemark die zweithöchsten Strompreise Europas.
Im ersten Halbjahr ist der Preis der Grundversorger im Bundesschnitt nach Angaben der Vergleichsportale Verivox und Check24 sogar gestiegen, statt zu sinken. Auch für die zweite Jahreshälfte und 2017 erwarten Fachleute keine spürbare Entlastung. Sinkenden Beschaffungspreisen stünden voraussichtlich Erhöhungen bei der EEG-Umlage und Netzentgelten gegenüber, sagte Jan Lengerke von der Verivox-Geschäftsführung.
Nach seinen Angaben haben bis Juni fast 30 Prozent der 832 Strom-Grundversorger die Preise um durchschnittlich drei Prozent erhöht. Nur jeder zehnte Versorger habe den Preis gesenkt. Unter dem Strich steht ein Plus bei den Stromkosten von 0,7 Prozent. Ähnliche Ergebnisse errechnete Check24 (plus 0,8 Prozent).
EWE-Sprecher Volker Diebels sagte auf Nachfrage, dass man zum Jahresbeginn „den Strompreis für eine große Zahl unserer Kunden sogar leicht senken“ konnte. In diesem Jahr sei keine weitere Preisveränderung geplant, erklärte er.
Fachleute raten bei den Preisdifferenzen im Markt zum Anbieterwechsel. Auch aus der Politik wird Druck auf die Anbieter ausgeübt, sinkende Kosten auf die Kunden zu übertragen.
