Düsseldorf/Oldenburg - Beim Blick auf die nächsten Stromrechnungen dürften viele deutsche Verbraucher zum Start ins neue Jahr erst einmal durchatmen: Für die meisten Haushalte sollen die Preise zunächst stabil bleiben.
„Wir rechnen mit keinen großen oder dramatischen Veränderungen“, sagt Ingmar Streese vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Tatsächlich hat sich die Mehrzahl der rund 800 Versorger an der Preisfront ein Stillhalten verordnet – vorerst.
So registrierte das Vergleichsportal Verivox zum Januar 2016 bisher nur 140 Anbieter, die ihre Tarife zum Jahresbeginn im Schnitt um 2,8 Prozent anheben wollen. Bei weiteren knapp 50 Versorgern sinken sie sogar.
Die EWE senkt – wie berichtet – ihren Arbeitspreis, erhöht aber gleichzeitig den Grundpreis. Unterm Strich werde sich nach Angaben des Oldenburger Versorgers für die meisten Kunden kaum etwas ändern. Haushalte mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden würden um rund 7 Euro im Jahr entlastet. Für Kunden mit einem niedrigeren Verbrauch könne es aber auch leichte Preiserhöhungen geben.
Offen bleibt jedoch, wie sich die Strompreise dann in den folgenden Monaten entwickeln werden. Denn die Versorger werden vor allem durch zwei Entwicklungen in die Zange genommen: den Anstieg der EEG-Umlage – also der Vergütung zur Förderung von erneuerbaren Energien – sowie die ebenfalls absehbare Steigerung der Netzentgelte. Auf diesen beiden Kostenbestandteilen des Strompreises wollen sie am Ende nicht sitzenbleiben.
2017 befürchtet Streese zusätzliche Belastungen, die wegen des Netzausbaus über Erdkabelverlegung auf die Verbraucher zukommen könnten. Andererseits kommt es auf der Beschaffungsseite auch zu Entlastungen für die Versorger. „Was uns immer wieder ärgert“, ergänzt der Verbraucherschützer, „ist, dass die Kostenvorteile durch die gesunkenen Einkaufspreise nicht weitergeben werden“.
Der durchschnittliche Strompreis in der Grundversorgung, so errechnete das Vergleichsportal Check24, ist seit dem Juli 2007 um 47 Prozent gestiegen. Am Börsenpreis für die Strombeschaffung im Großhandel unter den Unternehmen liegt das nicht. Dort fällt und fällt der Preis, weil immer mehr geförderter Ökostrom auf den Markt drängt. Der Börsenpreis beträgt inzwischen nur noch 3 bis 4 Cent pro Kilowattstunde – etwa halb so viel wie 2011.
Der Stromeinkauf der Versorger macht allerdings nur noch etwa ein Viertel des Endpreises für die Kunden aus. Mehr als die Hälfte sind staatliche Umlagen, Steuern und Abgaben, auf deren Erhöhung der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) den deutlichen Preisanstieg in den vergangenen Jahren zurückführt. Hinzu kommen Netzentgelte, die rund 23 Prozent des Strompreises ausmachten.
