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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Dieses Pulver stärkt auch die Bauern

12.02.2019

Strückhausen /Bremen /Kiel Es ist eine Investition in ein sensibles Geschäftsfeld: Für 145 Millionen Euro hat die größte deutsche Molkereigenossenschaft Deutsches Milchkontor (DMK/Bremen) ihr früheres Milchwerk Strückhausen in der Wesermarsch zu einer Produktionsstätte für Babymilchpulver umgebaut. Bis zu 40 Millionen Kilo Milch aus gentechnikfreier Fütterung sollen hier jährlich zu Babynahrung verarbeitet werden. Landwirte aus der Region liefern die Milch, die später zu Pulver verarbeitet und mit dem Markennamen Humana in mehr als 50 Länder in Europa und Asien geliefert wird.

Babynahrung ist ein Exportschlager europäischer Nahrungsmittelhersteller, gerade auch nach China. Seit vor gut zehn Jahren in China mit Melamin verseuchtes Babymilchpulver auf den Markt kam und mindestens sechs Kinder starben, haben viele chinesische Eltern kein Vertrauen mehr zu einheimischen Marken und kaufen Produkte europäischer Anbieter, sagt Agrarökonom Sebastian Hess von der Universität Kiel. „Europäische Hersteller gelten im Allgemeinen als sicher“, berichtet er.

Selbst als vor drei Jahren der Milchmarkt im Keller war, war die Nachfrage nach Babymilchpulver sehr hoch, erklärt Frank Feuerriegel, Geschäftsführer der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen. Die zu erzielenden Preise seien gut.

Allerdings ist Milchpulver für Babynahrung ein anspruchsvolles Produkt, was die Herstellung aufwendiger macht. Die Rohstoff-Milch muss von besonders guter Qualität sein, um Ware herzustellen, die von den Eltern problemlos zubereitet werden kann. Das Pulver dafür werde zudem angereichert mit lebenswichtigen Inhaltsstoffen und Spurenelementen, sagt Feuerriegel. Milchpulver für Babynahrung sei ein Nischenmarkt, aber mit hoher Wertschöpfung.

Babynahrung trage allerdings zur Stützung des Milchpreises bei, den die DMK an ihre Zulieferer, die Bauern in der Region zahle, sagt Unternehmenssprecher Oliver Bartelt. Und das Unternehmen sieht große Wachstumschancen im Babynahrungssegment: Der Umsatz von derzeit 200 Millionen Euro soll sich in den nächsten zehn Jahren verdoppeln, erklärt Bartelt.

So können die Landwirte in der Wesermarsch vom globalisierten Ernährungs- und Milchmarkt profitieren. Auch Agrarökonom Hess betont, die Vermarktung über Europas Grenzen hinaus biete Chancen für gute Milchpreise für die Erzeuger. So äußert sich auch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die im Absatz deutscher Milchprodukte in Europa und Asien eine Chance für hiesige Milchviehhalter sieht. China als Importland dürfte in diesem Jahr eine große Rolle am Weltmilchmarkt spielen. „Durch einen steigenden Bedarf im asiatischen Raum können sich neue Chancen ergeben“, sagte Kammer-Experte Mathias Klahsen kürzlich bei einer Fachtagung. Gute Aussichten biete auch das Freihandelsabkommen von EU und Japan.

Aber: Keine Chance ohne Risiko. „Wenn auf dem Weltmarkt die Nachfrage einbricht, bricht auch hierzulande der Milchpreis ein“, sagt Hess. Versuche, das durch Interventionen der Politik abzuwenden, wie etwa durch den Aufkauf von Milchpulver durch die EU bei der Preiskrise vor drei Jahren, zeigten kaum Wirkung. Die staatlichen Lagerbestände seien für die sich erholenden Märkte zur Belastung geworden. Handelsembargos und der noch offene Brexit könnten ganz schnell in den heimischen Kuhställen ankommen.

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