STRüCKHAUSEN - Nach dem etappenweisen Ausverkauf des Milchwerks in Strückhausen geht nun die 127 Jahre alte Werksgeschichte vermutlich endgültig zu Ende: Das Deutsche Milchkontor (DMK) – der Zusammenschluss von Nordmilch und Humana – hat am Mittwoch die Schließung des Werksstandorts in der Gemeinde Ovelgönne angekündigt.

Die Produktion von Magermilch und Vollmilchpulver soll in Zeven gebündelt, der Käsereistandort Edewecht gestärkt werden. Damit rechne sich das Strückhauser Werk nicht mehr, sagte Unternehmenssprecherin Gunda Sönnichsen. Von der Schließung wären nach ihren Angaben 56 Mitarbeiter betroffen. Sie seien am gleichen Tag informiert worden. Am Donnerstag, 3. November, sei eine weitere Betriebsversammlung in Strückhausen geplant.

Entschieden sei allerdings noch nichts. Das am Donnerstag vorgestellte Strukturkonzept müsse erst noch in den zuständigen Gremien beraten werden. Sie machte allerdings deutlich, dass Kosteneinsparungen nach der Fusion unerlässlich seien, um etwa den Milchpreis für die Lieferanten zu verbessern. „Das sind wir den Landwirten schuldig“, sagte Sönnichsen.

An einen höheren Milchpreis nach der Umstrukturierung glaubt indes der stellvertretende Bürgermeister Dieter Kohlmann, der selbst seit 1975 Lieferant des Werkes ist, nicht. Das Unternehmen habe vielmehr auf die „Abstimmung mit den Füßen“ reagieren müssen. „Mehr als die Hälfte der Landwirte in der Wesermarsch liefern bereits ins Ammerland“, sagte Kohlmann. Deshalb sei für ihn die Schließung absehbar gewesen. Gleichwohl sei die Entscheidung gegen den Traditionsstandort „bitter“, betonte Kohlmann.

1884 gründeten Bauern aus dem Landkreis und angrenzender Gebiete das Milchwerk. Besonders nachhaltig ist in der Folge die Marke „Botterbloom“ in der Region und darüber hinaus in Erinnerung geblieben – damit begann die Eisproduktion in Strückhausen, die sich rasant entwickelte. Doch im Laufe der Zeit kam es immer wieder zu Rationalisierungen und rasanten Expansionen. 1994 entstand die MZO, 1999 ging sie in die Nordmilch auf. Diese trennte sich schließlich von der Eisproduktion und übergab die Sparte an R & R (Nord-Eis). In diesem Mai fusionierten Nordmilch und Humana zum Deutschen Milchkontor.


Im Zuge der Umstrukturierungen wurde die Zahl der Mitarbeiter immer weiter reduziert, sie sank in den vergangenen Jahren von über 400 auf die derzeit noch 56. „Wir erwarten konkrete Aussagen darüber, wie die Mitarbeiter in Strückhausen weiter beschäftigt werden“, reagierte Landwirtschaftsminister Gerd Lindemann (CDU) auf die DMK-Ankündigung.

Torsten Wewer
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