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Erstes Auto Roter Flitzer war ganzer Stolz

Mirco Moormann

STRüCKLINGEN - An ihren roten Flitzer erinnert sich Brunhilde Wessels noch ganz genau, schließlich war es ihr erstes Auto. Im Winter 1970 kaufte sich die damals 25-Jährige einen fünf Jahre alten Karmann-Ghia. „2500 Mark hat er gekostet und war mein ganzer Stolz“, erinnert sich die Rentnerin aus Strücklingen.

„Der Wagen war rot und hatte ein schwarzes Dach“, sagt Wessels, auch der Innenraum ist ihr gut in Erinnerung geblieben: „Schwarz dominierte in Innern. Es gab nur zwei Sitze und eine Notbank hinten und mein Hund Teddy saß am liebsten auf dem Beifahrersitz.“ Auch die erste Fahrt im neuen Auto – sie kaufte den Wagen von einem Soldaten des Fliegerhorstes Oldenburg – wird sie nicht vergessen. „Das war abenteuerlich. Es lag Schnee und die Bremsen funktionierten nicht richtig.“ Mit Hilfe des Vaters habe sie den Wagen aber sicher nach Hause manövriert. Viele unvergessliche Stunden hat sie in dem Auto mit VW-Technik verbracht, hat Touren zu Verwandten nach Düsseldorf und Aachen oder an die Nordsee gemacht. Für damalige Verhältnisse war sie mit dem Karmann-Ghia relativ schnell unterwegs. „Tempo 120 war locker drin“, meint die 66-Jährige.

Fünf Jahre fuhr sie das rote Coupé mit 1300er Motor, 40 PS und Viergang–Getriebe, dann musste sie sich von ihm verabschieden. Da war der Wagen bereits durch einen Unfall in Mitleidenschaft gezogen worden.

„Mein Schwager hatte den Wagen ausgeliehen und war am Wochenende bei Sieger in Thüle, als jemand in den parkenden Wagen hineinfuhr und Fahrerflucht beging“. Auch waren die Ersatzteile rar und die Reparatur somit teuer geworden. Ein weiterer kleiner Unfall gab dem damals zehn Jahre alten Wagen dann den Rest. Zudem hatte Brunhilde in dieser Zeit bereits ihren heutigen Ehemann Erwin kennengelernt, das Thema Familiengründung stand auf dem Plan. Zwei Kinder brachte sie zur Welt.

„So musste eh ein größeres Auto her“, sagt Wessels. Etwas traurig war Brunhilde über den Verlust des Autos schon, aber nicht so sehr wie Hund Teddy. Schließlich hatte der seinen Platz auf dem Beifahrersitz verloren. Das neue Auto war ein Opel, ebenfalls in Rot. „100 Mark habe ich für das Coupé noch bekommen.“ Es folgten ein Audi, zwei VW, ein Peugeot und ein Rover. Selbstverständlich in Rot.


Der Karmann-Ghia

(Typ 14, Bild links) wurde bei Karmann in Osnabrück gebaut. Insgesamt 443.466 Wagen (362.585 Coupés und 80 881 Cabriolets) wurden zwischen 1955 und 1974 verkauft. Die Technik des Karmann-Ghia war bis auf wenige Details identisch mit der des VW Käfer.
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