Bali - „Johanne, mach dir keinen Kopf. Demjenigen, dem etwas genommen wurde, wird nun etwas gegeben und demjenigen, der etwas geklaut hat, wird nun etwas genommen“, wurde ich von einer Einheimischen aufgemuntert, als mir meine Tasche geklaut worden war. Spätestens zu dem Zeitpunkt war mir klar, wie es die Balinesen schaffen, in vollkommener Harmonie zu leben. Sie versuchen, stets alles in Balance zu halten, so dass auch Gut und Böse sich ausgleichen.
Uniform tragen
Ich bin nun bereits zwei Monate auf Bali und habe unglaublich viele Eindrücke gewonnen. Es gibt tolle Strände, schöne Reisfelder und freundliche Menschen. Bei solchen Aussichten kann ich schon einmal vergessen, dass ich eigentlich zum Studieren hier bin. So geht es innerhalb der Woche in die Universität und Hausaufgaben werden erledigt, um am Wochenende Zeit zum Reisen zu haben. Unangenehm wird es, wenn in der Uni die Klimaanlagen ausfallen, was keine Seltenheit ist. Bei 30 Grad qualmt einem im wahrsten Sinne des Wortes der Kopf. Die Stromversorgung kann hier zum Problem werden, so dass man bei Präsentationen stets einen Plan B bereithalten muss.
Wir müssen alle eine Uniform tragen – weiße Bluse und schwarzer Rock, der bis zum Knie geht. Am Wochenende heißt es dann raus aus der Uniform und rein ins Abenteuer. Dafür reicht es schon, sich in den Straßenverkehr zu begeben. Regeln gibt es im Grunde keine außer stetiges Hupen. Selbst rote Ampeln sind nicht unbedingt ein Grund, stehen zu bleiben, was es dem Fußgänger unmöglich macht, die Straße zu überqueren. Da ist es hilfreich, hell und blond zu sein, da die Menschen mehr Rücksicht nehmen. Ansonsten ist es als hellhäutige Frau nicht so einfach, da man nie seine Ruhe hat. „Cheap price, darling!“ ist meinem Empfinden nach der Satz, den ich am meisten höre. Wenn ich wirklich etwas kaufen möchte, liebe ich es, zu verhandeln. Dafür braucht man viel Geduld. Oberstes Gebot ist, nie nach dem Preis zu fragen. Der ist nämlich mindestens fünfmal so hoch, wie er sein sollte. Dann ist es unmöglich, ihn ganz runterzuhandeln. Die Verkäufer hier sind unheimlich raffiniert und wissen genau, was sie sagen müssen. Es wird über dein Gebot gelacht und gesagt, dass es unter dem Einkaufspreis ist, was natürlich nicht stimmt. Ich lache dann über das erste Gebot des Verkäufers und sage, dass ich gar nicht so viel Geld dabei habe. So wird eine Weile diskutiert, bis man sich auf einen Preis einigt. Mit einigen Verkäufern ist Handeln wirklich sehr witzig.
Weißer Sandstrand
Die letzten drei Tage habe ich auf einer traumhaften Insel namens Gili Air verbracht. Sie hat weißen Sandstrand und türkis-blaues Wasser, wie es nicht schöner auf Postkarten abgebildet sein kann. Am Strand leckeren Fisch mit Reis zu essen und einen frisch gepressten Saft zu trinken, ist immer wieder wundervoll.
Trotzdem sollte man nie vergessen, dass auch das schönste Paradies seine Kehrseiten hat. Müllentsorgung gibt es zwar, aber viele Leute verbrennen einfach ihren Müll oder schmeißen ihn irgendwo hin. Außerdem ist die Polizei unendlich korrupt, was dazu führt, dass reiche Leute sich ihre Rechte kaufen können und arme Menschen im Gefängnis landen. Während man sich in Deutschland über zu viele Vorschriften aufregt, sehe ich hier, was passiert, wenn es im Grunde keine gibt. Landschaften werden grenzenlos zerstört, um die tollsten Hotelanlagen zu bauen. Da fragt man sich, was am Ende vom Paradies Bali noch übrig bleiben wird.
