Stuttgart - Daimler-Chef Ola Källenius trimmt den Autobauer strikt auf Zukunft, aber eines soll schon bald wieder wie in alten Zeiten sein. Mitten in der Corona-Krise schraubt der Konzern seine Renditeziele deutlich nach oben. Schon in diesem Jahr will man in Stuttgart in etwa wieder dorthin kommen, wo man jahrelang war – bevor die hohen Kosten für den Einstieg in die Elektromobilität, die teuren Diesel-Altlasten, Handelskonflikte und zuletzt eben auch noch Corona ihre Spuren hinterließen.
Starke Erholung
„Daimler kann mehr“, hatte Källenius nach dem ausgesprochen mauen Jahr 2019 versprochen. Nun sieht sich der Schwede in seinem zweiten Jahr an der Konzernspitze auf einem guten Weg. Zwar hatte die Pandemie auch Daimler noch im Sommer zeitweise in die roten Zahlen gestürzt, nachdem Produktionslinien gestoppt und Autohäuser geschlossen werden mussten. Dank einer überraschend starken Erholung im zweiten Halbjahr, vor allem in China, sehen die am Donnerstag präsentierten Gewinnkennzahlen nun aber sogar besser aus als 2019. Das hatte Daimler selbst lange Zeit so nicht erwartet.
Die Elektro-Offensive von Daimler schlägt sich auch im Bremer Mercedes-Werk nieder. „Noch in der zweiten Jahreshälfte 2021 beginnen wir mit der Produktion der Business-Limousine EQE, ein weiterer Schritt in Richtung elektrische Zukunft“, sagte Michael Frieß, Standortverantwortlicher des Bremer Mercedes-Werks, am Donnerstag.
Das Bremer Werk war konzernweit der erste Standort, in dem Elektroautos der EQ-Modellreihe produziert werden. Seit Mai 2019 wird der Elektro-SUV EQC gebaut, der allerdings bislang hinter den Absatzerwartungen zurückblieb. Frieß bestätigte unlängst dem „Weser-Kurier“, dass 2020 rund 20 000 Fahrzeuge des Typs verkauft wurden. Branchenkreisen zufolge wollte Daimler aber 50 000 bis 60 000 absetzen.
2020 verbuchte der Konzern unter dem Strich einen auf die Aktionäre entfallenden Gewinn von rund 3,6 Milliarden Euro. Das waren 1,2 Milliarden Euro oder 50 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Ohne den sogenannten Abzug von Minderheitenanteilen lag das Konzernergebnis bei 4,0 Milliarden Euro – ein Plus von 48 Prozent. Die Dividende soll von 90 Cent im Vorjahr auf 1,35 Euro steigen.
Dass das trotz des gesunkenen Absatzes und Umsatzes geklappt hat, liegt vor allem daran, dass Daimler im Vorjahr milliardenschwere Kosten unter anderem für Dieselaffäre und Produktionsprobleme schulterte – aber auch daran, dass Källenius und sein Finanzchef Harald Wilhelm stark die Kosten drücken konnten. Weltweit verkaufte Daimler 2020 nur rund 2,84 Millionen Fahrzeuge – 15 Prozent weniger als 2019. Der Umsatz sank im Vergleich um 11 Prozent auf 154,3 Milliarden Euro.
Mehr Geld für Vorstände
Die besseren Zahlen bei Daimler lassen auch die Vergütung der Vorstände wieder etwas steigen. Für 2020 kommen für die komplette Führungsriege um den Vorstandsvorsitzenden Ola Källenius 28,1 Millionen Euro zusammen.
Der Verzicht auf einen Teil der Grundvergütung, den die Vorstände im Frühjahr als Reaktion auf die Corona-Pandemie angekündigt hatten, ist da schon abgezogen. Im Vergleich zu 2019 sind es in Summe trotzdem 3,9 Millionen Euro mehr.
