STUTTGART - Die deutschen Bauern setzen sich unter neuer Führung vehement gegen den Verlust von bäuerlichem Grund und Boden zur Wehr. Der Bauerntag in Fürstenfeldbruck verlangte am Mittwoch von der Regierung gesetzliche Maßnahmen gegen den „Flächenfraß“ durch Baumaßnahmen. Angesichts der Herausforderungen bei der Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung und bei der Energiewende sei es auch unzeitgemäß, Flächen für den Naturschutz stillzulegen, wie es die EU bei der Agrarreform plant.

„Wir brauchen zukünftig jeden Hektar landwirtschaftlicher Fläche“, sagte der kurz zuvor neu gewählte Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied. „Wir müssen alle Möglichkeiten nutzen, um den Flächenverbrauch zu reduzieren.“

Sein Vorgänger Gerd Sonnleitner warf der Politik Tatenlosigkeit vor. „Offen gestanden, ich bin nicht zufrieden, ja mich packt der heilige Zorn, wenn ich sehe, wie wenig in dieser Frage wirklich passiert.“

Bei der Neuwahl hatten 95,4 Prozent der rund 570 Delegierten für Rukwied als einzigen Kandidaten gestimmt. Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) gratulierte ihm: „Er ist wie Gerd Sonnleitner auch ein Mann der klaren Worte.“ Aigner sagte den Bauern in ihrem Kampf gegen den Verlust von Anbaufläche Unterstützung zu. „Wenn wir produzieren wollen, brauchen wir auch die Flächen.“ Bei der Energiewende gehe es um „ordentliche Entschädigung“, wenn Stromtrassen über Äcker und Wiesen gehen. Rukwied sagte dazu, die Bauern dürften hier nicht abgespeist werden, schließlich sei die Strombranche renditeträchtig.

Ein grundlegender Richtungswechsel ist mit Rukwied nicht zu erwarten. Die Orientierung am Markt steht für ihn weit oben. Für Lebensmittel müsse ein angemessener Preis bezahlt werden. Er will mehr Transparenz schaffen.


„Um Themen wie Twittern und Bloggen werden wir uns kümmern“, kündigte er an. „Wir werden gerade in den Ballungsgebieten noch mehr Höfe und noch mehr Ställe öffnen.“

Für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen sieht er schlicht keinen Markt. Die Verbraucher wollten das nicht. Damit sei es für Bauern auch kein Thema. Den Öko-Landbau gezielt zu fördern, der weiter zu wenig für den heimischen Markt produziert, lehnt er ab. „Ich halte nichts davon, wenn der Staat in Märkte eingreift.“

Korrekturen verlangen die Bauern bei der Förderung erneuerbarer Energien. Die „Überförderung“ großer Biogasanlagen müsse abgebaut werden, um die Balance zwischen Nahrungsmittel- und Energieproduktion zu wahren. Solaranlagen entlang von Autobahnen sollten nicht mehr gefördert werden.