Stuttgart - Ernst schaut der bärtige Mann mit Hut in die Kamera, die Hände auf dem Lenker eines nagelneuen Fahrrads. Auf sein Dienstfahrrad war der junge Robert Bosch so stolz, dass die Fotografie 1890 sogar seine Visitenkarte zierte.
Fast 130 Jahre später setzt der Konzern wieder aufs Dienstrad: Seit Februar können die bundesweit rund 100 000 Mitarbeiter von Bosch Fahrräder, Pedelecs und E-Räder günstig über das Unternehmen leasen. Bosch steht mit diesem Angebot für seine Mitarbeiter nicht alleine da: Längst fahren auch Beschäftigte von SAP, IBM, DHL, Rewe, der Bahn und anderen Unternehmen mit geleasten Rädern zur Arbeit.
Bundesweit dürften es mehr als 200 000 geleaste Diensträder geben, schätzt Ulrich Prediger. Der Gründer des Freiburger Leasing-Anbieters JobRad gilt als Pionier der Branche. Zu seinen Kunden gehören nicht nur Großkonzerne, sondern auch Tausende kleinere Firmen, darunter Arztpraxen, Werbeagenturen und mittelständische Produktionsbetriebe.
Auf Initiative von Prediger und anderen Mitstreitern weiteten die deutschen Finanzbehörden im Herbst 2012 die Steuervorteile von Autos auch auf Fahrräder, Pedelecs und E-Bikes aus.
Das bedeutet, dass Mitarbeiter deutlich günstiger an teure Fahrräder, Pedelecs und Elektro-Räder kommen: Der Arbeitgeber least das Fahrrad, wandelt einen Teil des Bruttogehalts um und bedient damit die Leasingrate. Weil dadurch das zu versteuernde Einkommen sinkt, müssen sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer weniger Abgaben leisten. Am Ende des Leasingvertrags haben die Beschäftigten die Möglichkeit, das Fahrrad zu einem günstigen Gebrauchtpreis zu übernehmen.
Die Unternehmen kostet das Angebot meist nichts – der administrative Aufwand muss aber organisiert werden. Hier kommen Leasing-Firmen wie JobRad, der Münchener Anbieter Company Bike Solutions oder die Kölner Eurorad ins Spiel. Sie organisieren das Leasing der Fahrräder über Online-Portale, bringen die Kunden mit Fahrradhändlern zusammen und bieten Dienstleistungen wie Versicherungen und Inspektionen an.
