Hannover/Im Nordwesten - Niedersachsen will die Sommerferien gerechter verteilen, um den Leistungsdruck für die Schüler zu senken. Die niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) forderte deshalb Bayern und Baden-Württemberg auf, bei den Sommerferien flexibler zu werden.
„Um vernünftige Zeitblöcke für sinnvolle Lerninhalte entstehen zu lassen, wäre aus meiner Sicht begrüßenswert, wenn sich ausnahmslos alle Bundesländer am Rotationsprinzip bei der Ferienregelung beteiligen würden“, sagte Heiligenstadt der NWZ. „Es ist kaum nachvollziehbar, warum Bayern und Baden-Württemberg hier seit Jahren ausscheren.“ Das Argument, bayerische Kinder würden im August bei der Ernte gebraucht, sei längst überholt.
Zurzeit wird zwischen den Ländern die Sommerferienregelung für 2018 bis 2024 abgestimmt. Niedersachsen werde sich dafür stark machen, dass sich künftig alle 16 Länder am rollierenden Feriensystem beteiligen würden, sagte Heiligenstadt.
Die deutsche Tourismusbranche hatte zuvor Alarm geschlagen. Wegen des engen Ferienkorridors „geraten bei Urlaubern beliebte Regionen wie die Nord- und Ostsee an die Kapazitätsgrenzen“, klagte Torsten Schäfer, Sprecher des Deutschen Reiseverbandes (DRV), im Gespräch mit der NWZ (Montagausgabe). Sven Ambrosy, Landrat in Friesland und Vorsitzender des Tourismusverbands Niedersachsen, sieht zudem einen wirtschaftlichen Schaden. „Der Nordseeküste entgehen vorsichtig geschätzt 100 Millionen Euro zusätzlicher Umsatz“, hatte er gegenüber der NWZ gesagt.
Heiligenstadt betonte allerdings, dass eine Entzerrung nicht zu Lasten der Schüler gehen dürfe. „Ein Ferienbeginn vor der letzten Juniwoche ist aus pädagogischer Sicht unsinnig und verursacht unnötigen Stress.“
