Oldenburg - Schon Albert Einstein soll gesagt haben: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“ Auch Oldenburg könnte mehr Bienen vertragen. Das meint Ralf Schmietenknop, Vorsitzender des Oldenburger Imkervereins. Und so freut er sich, dass immer mehr junge Menschen die Freude an der Imkerei entdecken. 90 Mitglieder zählt der Verein inzwischen.
Vom großen Bienensterben, das der 2012 hochdekorierte Schweizer Dokumentarfilm „More than honey“ (Mehr als Honig) zeigt, sind die Oldenburger weitgehend verschont geblieben. „Wir hatten keine großartigen Winterschäden zu verzeichnen“, sagt er, „und wir sorgen aufmerksam für unsere Völker.“ So versuche man, die Seuche der Faulbrut und auch die Ausbreitung der Varroa-Milbe, die seit etwa 20 Jahren Bienenvölker dezimiert, einzudämmen oder ganz zu verhindern. Dabei gehe man mit möglichst natürlichen Mitteln wie Ameisensäure vor.
Dennoch gebe es natürlich auch hier Herausforderungen zu bestehen, die in dem Film thematisiert werden: An erster Stelle stehe der Einsatz von Spritzmitteln. Viele Oldenburger Imker wandern mit ihren Völkern dorthin, wo es Bienenfutter – sie sprechen von Trachtpflanzen – gibt, also etwa ins Alte Land zur Obstblüte oder in den Raps. Mit den Obstbauern klappte die Absprache gut, dass sie vorher kein Gift spritzen, bei den Landwirten laut Schmieten-knop nicht ganz so optimal. Er freut sich, dass die EU die sogenannten Neonicotinoide als Insektizide verboten hat – wenn auch erstmal nur für zwei Jahre.
Für Oldenburg wünscht er sich, dass Blühstreifen, etwa mit Krokussen als Pollenlieferanten, die Grünstreifen an den Straßen ablösen.
Dass die Stadt ein guter Lebensraum für Bienen ist, meint auch Sascha Akkermann (38). „Weil ja wohl kaum noch einer Pestizide in seinem Garten einsetzt.“ Ansonsten verfolgt er aber als sogenannter Guerilla-Imker einen ganz anderen Ansatz, der vor allem junge Leute für das Imkern begeistere. „Wir verurteilen niemanden“, sagt er aber auch.
Die Biene sei aber mehr als eine überzüchtete Honiglieferantin, sondern sie trage auch zur Biodiversität, also der Vielfalt, bei. Akkermann meint, dass die Biene widerstandsfähiger sein würde, wenn man ihr mehr Freiheit ließe. Die Varroa-Milbe bekämpft er mit ätherischen Ölen. Guerilla-Imker lassen ihre Bienen etwa schwärmen, wenn sie wollen. „Die Völker wissen am besten, wann sie groß genug sind.“
