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Jade-Weser-Port Superhafen ohne Fracht

Hans-Christian Wöste

Wilhelmshaven - Eine Drehscheibe des internationalen Seeverkehrs sollte der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven werden. „Das hilft ganz Deutschland“, war sich Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) zur Eröffnung des einzigen deutschen Tiefwasserhafens am 21. September 2012 sicher. Jetzt ist nach einem halben Jahr Betriebszeit Ernüchterung eingekehrt: Der als „Jahrhundertprojekt“ von Niedersachsen und Bremen hochgejubelte Hafen dümpelt vor sich hin. Wegen fehlender Auslastung steht sogar Kurzarbeit bevor.

Betreiber des Milliardenbauwerks ist das europaweit tätige Containerumschlagsunternehmen Eurogate. Es will dort Frachter mit einem Tiefgang bis zu 16,5 Metern unabhängig von den Gezeiten abfertigen. Bis zu vier Schiffsriesen mit maximal je 18 000 Containern können an der 1725 Meter langen Kaje abgefertigt werden. Soweit die Theorie, praktisch sieht es aber mau aus: Nur zwei Schiffe pro Woche laufen den Superhafen bislang an.

Rückzug angekündigt

Das Unternehmen will zur aktuellen Lage nichts sagen. Auch die Realisierungsgesellschaft in Wilhelmshaven äußert sich nicht. Deren Geschäftsführer Axel Kluth hat jedoch bereits seinen Rückzug aus der Geschäftsführung angekündigt.

Die Schleichfahrt führt sogar zur Kurzarbeit im Hafen: Eurogate verhandelt darüber seit Februar mit der Gewerkschaft Verdi. Wie viele der 400 Mitarbeiter betroffen sein werden, steht noch nicht fest. In der Belegschaft arbeiten mehr als 200 ehemalige Langzeitarbeitslose, die Eurogate speziell für den Job in Wilhelmshaven qualifiziert hatte.

Die neue rot-grüne Landesregierung in Hannover will den Hafen möglichst schnell zum Erfolg führen. Für Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) ist mit dem zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke von Oldenburg nach Wilhelmshaven schon ein Schritt getan: „Ein absoluter Gewinn kommt aber erst mit der Elektrifizierung der gesamten Schienenverbindung, und die ist vielleicht erst 2017/18 abgeschlossen.“


Lies will zudem großen Logistikunternehmen die Vorteile des Tiefwasserhafens anpreisen und den Standort international besser vermarktet sehen: „Dafür brauchen wir ein Konzept mit Eurogate und Maersk. Die Zeiten, wo sich Umschlagsprognosen automatisch erfüllten, sind vorbei.“

Vorzüge angepriesen

Wilhelmshaven signalisiert unterdessen Gelassenheit. „Es kann noch dauern, bis der Laden richtig läuft. Die Frage ist nicht ob, sondern wann“, sagt Oberbürgermeister Andreas Wagner (CDU). Auch einer der Väter des jahrzehntelang geplanten Hafens ist zuversichtlich: „An den Vorzügen kommt kein Reeder vorbei“, sagt der Chef der Wilhelmshavener Hafenwirtschafts-Vereinigung, John H. Niemann. „Wir sind bestens an den Straßen- und Bahnverkehr angebunden. Neben dem großen Tiefgang können wir auch ein breites Fahrwasser und kurze Revierfahrt bieten.“ Die Reeder müssten den Hafen zunächst für sich „erschnüffeln“. Die großen Schiffe würden kommen. Irgendwann.

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