Brüssel - Nach einem Auslandsurlaub sind Reisende oft empört über hohe Handykosten-Rechnungen. Von diesem Dienstag an gelten für Mobilfunkanbieter neue Obergrenzen für „Roaming“. Das bringt etwas Entlastung.

Was ist Roaming

überhaupt

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Das Wort stammt aus dem Englischen und bedeutet „umherwandern“. Für die Weiterleitung von Gesprächen und Daten durch ihre Netze verlangen die Mobilfunkanbieter Gebühren. Noch 2012 machten sie damit fünf Milliarden Euro Umsatz.

Was ändert sich

vom 1. Juli an

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Ein Anruf aus dem europäischen Ausland kostet ab diesem Stichtag maximal 19 statt 24 Cent pro Minute plus Mehrwertsteuer. Deutsche Verbraucher zahlen maximal 22,6 Cent pro Minute und für die Annahme eines Anrufs knapp 6 Cent. Eine SMS-Nachricht schlägt mit höchstens 7,1 statt bisher 9,5 Cent zu Buche. Ankommende SMS kosten weiter nichts.

Was ist neu beim Internet-Surfen im Ausland

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Die Anbieter dürfen maximal 20 Cent vor Steuern (statt 45 Cent) pro Megabyte Datenvolumen verlangen. Inklusive Steuern macht das 23,8 Cent (bisher 53,5 Cent). Erst seit Sommer 2012 gibt es solche Grenzen, vorher zahlte ein Nutzer oft bis zu 4 Euro. Ein Megabyte entspricht 100 Mails ohne Anhang, knapp einer Stunde Internet-Surfen oder einer Minute Musik-Download im MP3-Format.

Was bekommt der Verbraucher für 10 Euro

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Die EU-Kommission rechnet vor: Wer 10 Euro an Roaming-Kosten zahlt, kann auch im Urlaub den Kontakt mit Freunden und Familie halten und sich etwa über die Fußball-WM informieren. Für diesen Betrag kann ein Verbraucher zum Beispiel drei Fotos hochladen, 10 Minuten Nachrichten lesen, eine halbe Stunde auf Facebook verbringen, einen Blick auf den Wetterbericht per App werfen, eine Weltmeisterschafts-App herunterladen und auf YouTube ein Video mit den besten Toren sehen.

Gibt es auch Nachteile für den Verbraucher

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Ja. Der Deutsche Verband für Post, Informationstechnologie und Telekommunikation (DVPT) in Offenbach warnt, dass Kunden, die einen Vertrag als Paket abschließen, manchmal mehr zahlen. Denn die Netzbetreiber setzten die EU-Vorgaben nur in bestimmten Tarifen (Euro-Tarif) um. „Wer aber einen anderen als den Euro-Tarif gewählt hat, muss unter Umständen mit deutlich höheren Gebühren rechnen“, sagt Christian Lehmann vom DVPT. Der Branchenverband Bitkom erwartet steigende Preise etwa für Inlandstelefonate und das mobile Surfen.

Wann soll Schluss sein mit Auslandsgebühren

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Am 15. Dezember 2015. EU-Kommissarin Neelie Kroes sagt: „Ich bin zuversichtlich, dass diese Gebühren vor Weihnachten 2015 für immer wegfallen werden.“

Und wie sieht es außerhalb der EU aus

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Für Übersee oder Asien gelten die Regeln nicht. Die EU kann ihre Gesetzgebung nicht auf außereuropäische Länder anwenden.