Harpstedt - Geschäftiges Treiben herrscht am Freitagmittag im Gebäude des Kreisjugendzeltlagers neben der Delmehalle. 46 Männer, Frauen und Kinder holen sich Teller mit Reis und Fisch, dazu Obst und Fladenbrote und setzen sich damit an den U-förmig aufgebauten Tisch. Gekocht und ausgegeben wird das Essen von Mitarbeitern des DRK-Seniorenzentrums und eigens vom DRK-Kreisverband für die Flüchtlingsbetreuung angestellten Mini-Jobbern. Schon nach zwei Tagen wirkt der Ablauf eingespielt. Es wird viel gelacht und das Essen schmeckt sichtlich.

Am Mittwoch wurden die syrischen Flüchtlingsfamilien von Wildeshausen mit Bussen nach Harpstedt gebracht. Sie gehören zu den Flüchtlingen, die das Land dem Kreis im Rahmen der Amtshilfe zugewiesen hatte und die dort in Turnhallen untergebracht waren.

Dass sie hier wieder in einer Turnhalle leben müssen, sei zuerst eine kleine Enttäuschung für die Flüchtlinge gewesen, sagt Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse. Schnell hätten aber alle bemerkt, dass die Situation in Harpstedt doch besser sei. Das liegt auch daran, dass das Gebäude des Kreisjugendzeltplatzes tagsüber mit genutzt werden kann. Hier wird gegessen, es gibt einen Billard- und einen Kickertisch, zwei Waschmaschinen, einen Trockner und Internetzugang über W-Lan. „Das ist nicht nur wichtig, damit die Bewohner Kontakt zu ihren Familien in Syrien halten können. Das Internet hilft auch bei Übersetzungsproblemen und bei der Suche nach Informationen“, erklärt Wöbse.

Vielleicht schon ab der kommenden Woche könnten im Zeltplatz-Gebäude erste Sprachkurse stattfinden, die derzeit von der regioVHS organisiert werden. 18 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind in der Delmehalle untergekommen. Ein Schulbesuch in diesem Jahr sei nicht mehr vorgesehen, sagt Wöbse. „Die Familien sollen jetzt erstmal in Ruhe ankommen.“ Die Schulen seien aber natürlich informiert und bereiteten sich jetzt auf die neuen Schüler vor. Zwei AGH-Kräfte (Ein-Euro-Kräfte), Amir Ali und Rania Jarjir helfen den Syrern dabei, sich zurecht zu finden und auch der Kreis der ehrenamtlichen Harpstedter Flüchtlingshelfer hat bereits Kontakt aufgenommen.

„Wir sind optimistisch“, sagt Wöbse, „dass hier sehr schnell ein gutes Klima entstehen wird, auch mit der Nachbarschaft.“