Butjadingen/Nordenham - Wenn Diedrich Hibbeler aus dem Fenster guckt, kann er zurzeit haarsträubende Szenen beobachten: Autos versuchen, sich aneinander vorbei zu quetschen, obwohl bis zum Graben nur eine handbreit Platz ist; Radfahrer springen auf die kaum vorhandene Berme, weil ein Wagen herangeprescht kommt. Und als bisheriger dramatischer Höhepunkt landet direkt am Deich ein Rettungshubschrauber, weil eine Radlerin ins Schlingern geraten und in ein Auto gestürzt ist (NWZ  berichtete).

Diedrich Hibbeler wohnt in Waddensersiel an der Straße Am Deich. Die ist das reinste Nadelöhr. Dennoch herrscht auf der schmalen Fahrbahn derzeit jeden Tag Rusch Hour. Schuld daran ist die gesperrte Ortsdurchfahrt Schweewarden, die es Autofahrern unmöglich macht, über die Landesstraße 858 in Richtung Burhave zu gelangen. Es gibt zwar eine ausgeschilderte Umleitungsstrecke, die über Abbehausen und Stollhamm führt. Die nutzen aber offenbar nur die wenigsten. Diedrich Hibbeler zumindest schätzt, dass sich zwei Drittel aller Autofahrer, die in Richtung Nordseebäder fahren wollen, lieber über die schmale Straße am Deich zwängen.

Warum die Sanierungsmaßnahme, die zu der Sperrung in Schweewarden führt, ausgerechnet in der Hauptferienzeit über die Bühne gebracht werden muss, kann der Anwohner beim besten Willen nicht nachvollziehen. Da hat er etwas gemeinsam mit Robert Kowitz, Geschäftsführer von Tourismus-Service Butjadingen (TSB). Auch dem ist es ein Rätsel, dass die für die Sanierungsmaßnahme zuständige Stadt Nordenham nicht auf eine Zeit außerhalb der Ferien ausgewichen ist.

Horst Wilkens von der Bauverwaltung der Nachbarstadt kann dieses Rätsel aufklären. Der Kanal im Untergrund der durch Schweewarden verlaufenden Landesstraße, die hier Burhaver Straße heißt, sei derart hinüber gewesen, dass dingender Handlungsbedarf bestanden habe. Um einen neuen Kanal zu verlegen, habe die Stadt ein enges Zeitfenster nutzen müssen, das sich durch die Vollsperrung der Bundesstraße 212 zwischen Havendorf und Ellwürden ergeben habe. An die nämlich soll sich schon bald die nächste B-212-Sperrung anschließen. Voraussichtlich ab Mitte September ist die Atenser Ortsumgehung an der Reihe.

Ärger bleibt dennoch. Die Sperrung der Ortsdurchfahrt hätte nach Einschätzung von Robert Kowitz gravierendere Folgen gehabt, wenn Butjadingen-Touristen über die L 858 Bremerhaven hätten ansteuern wollen – das geht wegen des defekten Fähranlegers zurzeit sowieso nicht. Der TSB-Chef ärgert sich aber darüber, dass es hinsichtlich der Maßnahme in Schweewarden keinerlei Absprachen mit der Kurgesellschaft gegeben habe. Er selbst habe durch einen Bekannten davon erfahren, dass die Straße gesperrt wird. „Ich erwarte da einfach eine frühzeitige und vernünftige Kommunikation“, sagt Robert Kowitz.


Trost für den TSB-Chef sowie alle Anwohner und Autofahrer: Laut Horst Wilkens soll die Sperrung Ende dieser Woche wieder aufgehoben werden. Freie Fahrt gibt es dann allerdings immer noch nicht. Bis die Kanal-Sanierung in Schweewarden endgültig abgeschlossen ist, soll eine Bauampel aufgestellt werden.