Bremen - Tausende Beschäftigte des öffentlichen Dienstes in Niedersachsen und Bremen haben mit einem Warnstreik und einer Kundgebung ihre Forderung nach mehr Einkommen unterstrichen. Auf dem Bremer Marktplatz kamen nach Gewerkschaftsangaben am Donnerstag mehr als 7000 Streikende zusammen. Die niedersächsischen Teilnehmer waren mit rund 70 Bussen und mit der Bahn aus allen Teilen des Landes angereist. Zu dem Warnstreik waren mehr als 100 000 Tarifbeschäftigte in beiden Ländern aufgerufen.
Zwei Verhandlungsrunden seien bereits ohne Angebot der Arbeitgeberseite verlaufen. „Das ist doch wohl eine Frechheit“, rief der Landesbezirksleiter der Gewerkschaft Verdi, Detlef Ahting, den Frauen und Männern auf dem Platz zu. Große rote Luftballons schwebten vor der Kulisse des Welterbes Rathaus und Roland im Sonnenschein über der Menge. Mit ohrenbetäubenden Pfeifkonzerten und in die Höhe gereckten Transparenten machten sie ihrem Ärger über den Stand der Verhandlungen Luft: „Wir geben alles, was gibst Du?“, hieß es bei der Feuerwehr und „Wir sind es wert“ auf Verdi-Plakaten.
Ahting untermauerte die Forderung der Gewerkschaften nach 5,5 Prozent mehr Einkommen, mindestens aber 175 Euro im Monat, mit vier Argumenten: Erstens gebe es steigende Steuereinnahmen. Zweitens habe der öffentliche Dienst Bedarf an guten Fachkräften. Drittens schaffe mehr Einkommen Kaufkraft und Nachfrage. Und viertens dürfe der öffentliche Dienst der Länder beim Einkommen nicht von der Entwicklung anderenorts abgekoppelt werden. „Packt endlich ein Angebot auf den Tisch“, forderte Ahting. Die dritte Verhandlungsrunde beginnt am Montag in Potsdam.
Vom Warnstreik in den beiden norddeutschen Ländern waren am Donnerstag unter anderem Schulen, Straßen- und Autobahnmeistereien sowie das Uniklinikum Göttingen und die Medizinische Hochschule Hannover betroffen. Für die Krankenhäuser habe es Notdienstvereinbarungen gegeben, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, sagte Verdi-Sprecher Ulf Birch.
Deutschlandweit geht es bei den Tarifverhandlungen um rund 800 000 Tarifbeschäftigte in den Ländern. Die Gewerkschaften fordern die zeit- und inhaltsgleiche Übernahme eines Tarifabschlusses auch für die Beamten der Länder.
