Varel - Besonders kräftig war das Motörchen nicht, das Adolf Krause voranbrachte. Gerade einmal 0,8 PS leistete der Flink-Motor, der Krauses Fahrrad antrieb. Der Fahrer war aber sehr zufrieden. Er war 1951 als „Testfahrer“ mit einem Fahrrad mit Hilfsmotor auf Deutschland-Tour unterwegs. Flink-Motoren wurden von 1950 bis 1953 im Vareler Motorenwerk gebaut, wo wegen des Produktionsverbots für den Flugzeugbau andere Produkte gefertigt wurden.

Von Varel ging es bis nach Bayern und wieder retour. Und Adolf Krause (1916 bis 1964) notierte alle Vorkommnisse. „Gefederte Rahmen von Achilles-Werke bewährt sich gut“, notierte Krause vor 62 Jahren in sein Fahrtenbuch. „Unebenheiten durch die Straße werden selbst bei schnellster Fahrt abgefangen“, bemerkte er zum Fahrradrahmen. Der Motor schnurrte zuverlässig, Allerdings fehlte es in den Bergen an Kraft. „Bei den Steigungen hinter Osnabrück musste ich mittreten.“

Am 20. Oktober 1951 hatte Krause mit seinem Flink-Achilles-Motorfahrrad das Motorenwerk verlassen. In Rastede allerdings musste er die Lichtanlage reparieren lassen. Von da an ging es unfall- und weitgehend reparaturfrei durch Deutschland. Oldenburg erreichte er nach zwei Stunden, Vechta nach zwei weiteren Stunden. In Telgte bei Münster kam er um 4.30 Uhr an, wo er übernachtete. Dort setzte er die Fahrt um 7 Uhr morgens fort, erreichte um 12 Uhr Wuppertal. „Motor läuft anstandslos. Alle Leute staunen und haben den Motor noch nie gesehen,“ schrieb Krause nach Hause zum Motorenwerk, wo seine Fahrtberichte abgestempelt wurde. Offenbar war Osnabrück hügeliger als Wuppertal: „Die sehr steilen Berge in Wuppertal sind sehr gut zu nehmen. Der Motor bewährt sich auch hier sehr gut“, schrieb Krause. Er berichtete von Begegnungen mit Interessierten und notierte mögliche Absatzmöglichkeiten.

Weiter führte die Fahrt durch Deutschland: Am Kölner Dom ließ sich Krause fotografieren, er steuerte nach Oberammergau, in Nürnberg brach auf einer Steigung von 14 Prozent das Pedal. Am 19. November kehrte Krause wieder nach Varel zurück. 2849 Kilometer hatte er mit seinem Fahrrad mit Hilfsmotor absolviert. Für die letzte Etappe von Nienburg an der Weser nach Hause brauchte er neun Stunden. Um 3.50 Uhr war er in Nienburg aufgebrochen, um 13 Uhr erreichte er nach vierwöchiger Fahrt Varel.

Familie Krause lebte bis 1958 in Varel, erinnert sich der Sohn des Testfahrers, Rolf-Dieter Krause. „Meine Familie und ich lebten bis 1958 in der Neumühlenstraße 57, neben der Tankstelle Dovenmühle. Mein Vater hat sich dann um eine Arbeitsstelle in Wickede/Ruhr bemüht und wir sind ihm dahin gefolgt.“ Adolf Krause starb Anfang 1965.


Flink-Motoren wurden in Varel übrigens bis 1953 im Motorenwerk gebaut. Schnell wurde klar, dass Motorräder und Motorroller sowie Kleinwagen die Fahrzeuge waren, die die Wirtschaftswunder-Bundesbürger begehrten. Und bald begann auch wieder der zivile Flugzeugbau, für das Motorenwerk blieb der „Flink“ eine Episode. Allerdings wurden noch bis in die 60er Jahre Ersatzteile für den Hilfsmotor gebaut und geliefert, wie Peter Zielasko in seinem kleinen Vareler Fahrradmuseum belegen kann. Er selbst hat mehrere Flink-Motoren, auch die „Luxusversion“ mit Lichtanlage, die 1952 245 DM kostete (ein stolzer Monatslohn eines gut verdienenden Arbeiters). Es gibt ferner ein Flink-Moped im Heimatmuseum und weitere Bastler, die sich um die Vareler Marke bemühen.

Rolf-Dieter Krauses Großvater (Otto Burchards, 1875 - 1970) war schon für die Hansa-Werke in Varel tätig gewesen, sein Schwiegersohn Adolf Krause für die Metallgießerei Speith und dann für das Motorenwerk Varel, heute Premium Aerotec.