Wolfsburg - Die Spitze des VW-Aufsichtsrates wird laut Insidern an diesem Montag noch keine abschließende Entscheidung zur Höhe der Vorstandsboni fällen. Jedoch ist der Umgang mit den millionenschweren Prämien eines der Top-Themen für das sechsköpfige VW-Präsidium, wie die Agentur dpa aus Konzernkreisen erfuhr. Demnach stehen Ideen zu Kürzungen von 30 Prozent und mehr im Raum, eventuell mit einer Stiftung. Das Gremium bildet die Spitze der 20 Volkswagen-Kontrolleure.
Die Boni sind ein heißes Eisen für den kriselnden Konzern. Die variablen Vorstandsvergütungen sind vertraglich fest geregelt. Für Verzicht müssten also die Vorstände jeweils einwilligen.
Die Höhe der Vorstandsboni und ein möglicher freiwilliger Verzicht haben im Strudel des Abgas-Skandals öffentliche Signalwirkung. Erste Leiharbeiter müssen VW schon verlassen. Die 120 000 Mitarbeiter im VW-Haustarif haben wegen roter Zahlen bei der Kernmarke keinen Anspruch auf ihre gewohnte Erfolgsbeteiligung. Sie erhalten alternativ eine Anerkennungsprämie in noch unbekannter Höhe. Aktionären droht eine Mini-Dividende.
VW-Aufsichtsrat Jörg Hofmann (IG-Metall-Chef) hatte bereits am Freitag gesagt: „Es wird allein durch die Folgen des Abgas-Skandals zu einer signifikanten Reduzierung der Boni kommen. Darüber hinaus werden wir mit dem Vorstand über die Frage diskutieren, was in der jetzigen Situation angemessen ist.“
Mit der Affäre um manipulierte Dieselfahrzeuge drohen besonders in den USA hohe Strafen und Prozessrisiken. Sie könnten laut Konzernkreisen einen zweistelligen Milliardenbetrag erreichen.
Bei zwei Personen ist die Bonidebatte besonders delikat: Der in der Affäre zurückgetretene Konzern-Vorstandschef Martin Winterkorn hat noch finanzielle Ansprüche in Wolfsburg. „Ich kann bestätigen, dass er einen gültigen Vertrag hat“, sagte ein Konzernsprecher am Sonntag. Details dieser Vereinbarung, bei der es ums Geld geht, werden sich Ende April zeigen, wenn der Konzern seinen Geschäftsbericht vorlegt.
Und: Winterkorns früherer Finanzchef Hans Dieter Pötsch soll sich mit dem Wechsel an die Spitze des Aufsichtsrats vertraglich eine zweistellige Millionensumme gesichert haben, um damit den Wegfall seiner finanziell besseren Perspektive als Vorstandsmann aufzufangen.
