THöLSTEDT - „Geglaubt haben wir die Nachricht über den geplanten höheren Butterpreis nicht“, erzählt Susanne Beneke, Landwirtin und Milchbäuerin aus Thölstedt. Sie und ihr Mann seien selbst in den Supermarkt gefahren, um nachzusehen. „Und da waren wir wirklich verblüfft.“

Schon jetzt machen sich die erhöhten Preise für Milchprodukte auch bei den Bauern direkt bemerkbar. „In diesem Juli haben wir bereits 34 Cent für den Liter Milch bekommen. Im vergangenen Jahr zur gleichen Zeit waren es noch 27 Cent“, vergleicht Landwirt Fritz Beneke die Preise. Doch diese Erhöhung könne nicht als reiner Gewinn verbucht werden. „Da gehen noch 3 Cent für Kraftfutter und die Energiekosten runter, da bleibt uns die Hälfte“, meint er.

Die guten Preise veranlassen den Landwirt noch nicht zu Luftsprüngen. „Das warten wir erst einmal ab. Ich und auch andere Milchbauern aus meinem Bekanntenkreis bleiben erst einmal skeptisch“, sagt er. Zu sofortigen Neuinvestitionen in den Hof würden ihn die Steigerungen nicht veranlassen. „Da bleiben wir ruhig. Wir haben harte Jahre hinter uns, davon müssen sich die meisten Landwirte erst einmal erholen“, erklärt er seine Vorsicht. Die niedrigen Milchpreise hätten viele Landwirte schon fast zur Aufgabe gebracht.

„Es ist eigentlich gar nicht gegangen“, antwortet Beneke auf die Frage, wie sich ein Hof überhaupt so lange ohne einen wirklichen Gewinn halten könne. Viele Milchbauern seien verschuldet. „Es ist ja nicht so, dass ein Hof in ein paar Jahren kaputt gehen kann. Das dauert lange, vielleicht 20 Jahre, denn es steckt viel Substanz drin“, erklärt er. „Irgendwann gehören in solchen Betrieben die Weiden und Trecker nicht mehr dem Landwirt, sondern der Bank.“

Seine Familie betreibt den Hof in Thölstedt schon seit 1517, 60 Kühe halten sie dort im Moment. „Die Arbeit auf dem Hof macht immer noch zum größten Teil unsere Familie. Meine Frau und die drei Söhne packen viel mit an“, ist Beneke stolz. Für ihn bedeutet die Aufgabe, den Betrieb weiter zu führen, eine große Verantwortung. „Man will ja nicht derjenige sein, der nach ein paar hundert Jahren Tradition aufhört“, meint er. Deshalb müsse man immer für die nächste Generation mitdenken. „Wenn sich die Preise jetzt erholen, ist das sehr gut. Neu investieren werde ich aber erst, wenn sich diese Lage ein Jahr gehalten hat“, mahnt Beneke zur Vorsicht. Doch macht der Aufschwung Hoffnung. „Wenn dann noch die Milchqote fällt, kann es hier auch noch ein paar hundert Jahre weitergehen“, ist er sicher.