THüLE - Käserei Mechelhoff und Schäferei Preut bieten alles vom Schaf an. Preut hat den ältesten Heidschnuckenbetrieb.

Von Karin Olliges

THÜLE - Schon von weitem sind sie zu hören, obwohl man sie gar nicht hören dürfte. Normalerweise grasen die 240 Milchschafe von Josef Mechelhoff auf der Weide. „Heute machen wir eine Ausnahme“, sagt der Garreler. Wegen des Besuchs, versteht sich. An das Interesse wird er sich aber wohl gewöhnen müssen, ist er doch der Schäfer mit der größten Herde Norddeutschlands. Und auch die Eintragung in die Boxenstopp-Route lässt das Interesse wohl eher steigen.

In der Herde herrscht buntes Treiben. Ein schwarzes Schaf unter vielen weißen sorgt für Aufruhr. „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schwarzes geboren wird, liegt bei eins zu hundert. Es ist aber genauso leistungsfähig wie die anderen“, verteidigt Mechelhoff das im Volksmund viel gescholtene schwarze Schaf.

Auch sonst lohnt sich ein Blick in den Stall. Als der Garreler 1989 mit 20 ostfriesischen Milchschafen die Zucht begann, gab es keine Schäfer in der Region. „Ich habe meiner Fantasie beim Stallbau freien Lauf gelassen“, erzählt der 59-Jährige, der zudem 45 Milchkühe hält. Eine Unterbringung, die einem Boxenlaufstall ähnelt, war das Ergebnis. Heute werden die Pläne sogar bis nach China vermarktet. Auch die raffinierte Melkanlage war seine Idee. 28 Tiere können gleichzeitig in den Melkstand. Sobald sie den Kopf zum Fressen gesenkt haben, werden sie am Hals fixiert.

In der Käseverarbeitung entstehen anschließend die acht Kilo schweren Laibe, die mehrere Monate reifen müssen. „Um Käse herstellen zu können, habe ich extra holländisch gelernt. Käsereikurse gab es da in Deutschland noch nicht“, erzählt der zweifache Vater, der Hof und Käserei mit seiner Familie und drei Mitarbeitern führt.


Zwölf Schafskäsesorten und etwa die gleiche Anzahl an Kuhmilchsorten sind im Angebot des Landwirts. „Am besten lässt sich der pure Schafskäse verkaufen. Und auch der Bärlauch-, Pfeffer- und Fetakäse werden häufig nachgefragt“, sagt der Garreler.

Doch auch die Heideschäferei von Heinrich Preut hat allerhand vom Schaf zu bieten. Ganz gleich, ob Mettwurst, geräucherter Schinken oder frisches Lammfleisch – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Der Thüler Betrieb ist daran interessiert bald Boxenstopp-Station zu werden. Seit über 150 Jahren züchtet der Familienbetrieb aus dem Jahre 1675 weiße und graue Heidschnucken. Somit haben sie das erste und älteste Heidschnucken-Versandgeschäft im Oldenburger Münsterland.

„Stine“ muss sich beeilen. Der dreijährige Hund rennt über die Weide, um ein Schaf wieder zu seiner Herde zu treiben. Entspannt beobachtet Jürgen Preut die Arbeit seines Helfers. Der 36-Jährige ist genauso wie sein Vater Heinrich Schäfer. „Auf der Weide ist nur ein Teil der Schafe. 300 Tiere befinden sich zur Landschaftspflege am Deich der Thülsfelder Talsperre“, sagt der Landwirt, dem insgesamt 450 Muttertiere gehören. Das könnte aber in ein paar Jahren anders aussehen. Ab 2013 erhält Preut nur noch Flächenprämien für seine Weiden und Äcker. Heidepflegeflächen, die einen Großteil seines Besitzes darstellen, werden dabei nicht berücksichtigt. Somit werden ihm dann wohl jährlich mehrere Tausend Euro fehlen. Heinrich Preut: „Ohne Prämien wird sich die Schafhaltung dann nicht mehr lohnen.“