Thüle - Eine Fußbodenheizung in Masthähnchenställen zur Vermeidung der Fußballenkrankheit und vor dem Stall an der Grundstücksgrenze eine Gefriertruhe für die Unterbringung des Tierkadavers. Was am Freitag bei der im Zusammenwirken mit Tierärzten und dem Cloppenburger Veterinäramt durchgeführten Informationsveranstaltung fast nach Luxus klang, war bei näherem Hinschauen und Abwägen eher eine Notwendigkeit zur Erhöhung der Biosicherheit in den Geflügelhaltungen, die in der Region in den vergangenen Monaten trotz der Rückschläge durch die Geflügelpest noch leicht zugenommen hat.

Dr. Hermann Seelhorst, stellvertretender Leiter des größten Veterinäramtes der Republik, nannte 8,2 Millionen Masthähnchen, 1,25 Millionen Legehennen, 2,7 Millionen Puten und 800 000 Enten/Gänse vor allem in den Verdichtungsräumen Gehlenberg/Friesoythe und Bösel/Garrel. Diese hohe Dichte fördere natürlich Geflügelkrankheiten und insbesondere die Geflügelpest.

Vor neun Jahren gab es noch 33 Fälle (damals H5N3) im Kreis, 2016/17 dann 42 (H5N8). 511 788 Tiere hätten getötet werden müssen, in der Mehrzahl Puten, aber auch 88 000 Masthähnchen. „Puten sind besonders anfällig“, meinte Seelhorst. Bei den 69 niedersächsischen Geflügelpestfällen wurden nach NWZ-Informationen bei einem Drittel Kürzungen der Erstattungen durch die Tierseuchenkassen vorgenommen. Damit künftig Kürzungen vermieden werden, sollte die Biosicherheit genauestens beachtet werden. Futter müsse wildvogelsicher gelagert werden, sonst droht 60 Prozent Abzug. Die Kadaverlagerung müsse einige Voraussetzungen erfüllen – sonst drohen 40 Prozent Abzüge.

Seelhorst erläuterte die baulichen Vorgaben für die Hygieneschleusen mit Umkleide, Desinfektion, reiner und unreiner Seite sowie einer Nassreinigung. Lüftungsschächte müssten abgedichtet werden, Vögel dürfen nicht in den Stall eindringen können, selbst Nistmaterial darf sich nicht ablagern. Beim Aus- und Umstallen sei auf desinfizierte Schutzkleidung zu achten.

Die Biosicherheitsmaßnahmen zur Minimierung der Krankheiten müssten „gelebt“ werden, meinte Seelhorst. „Sie können nur als Ganzes wirken“. Nur so seien wirtschaftliche Schäden zu vermeiden. „Vorbeugen ist besser als Töten“, müsse die Devise sein.


Die Geflügelmäster – vor allem junge Agrar-Ingenieure – hatten erheblichen Informationsbedarf bei der Kadaverabholung durch die Tierkörperbeseitigung Kampe. Hier soll noch einmal ausführlich informiert werden.

Dr. Thomas Dillmann informierte über die Eigenkontrollen und die Folgen des Gesundheitskontrollprogramms der Putenhalter. Er merkte aber auch an, dass diese Initiative „zu wenig selbstkritisch“ sei und die Verantwortung unzureichend wahrgenommen werde.

Der Beamte des Veterinäramtes berichtete auch von 418 Verladekontrollen. 111 Beanstandungen habe es gegeben, aber nur zweimal hätte die Verladung untersagt werden müssen.