Thüle - Vor dem Hintergrund der jüngsten Ausbrüche der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Litauen, der Ukraine und Polen und der damit verbundenen erhöhten Gefahr einer Einschleppung dieser Tierseuche nach Deutschland, haben die Kreisjägerschaft Cloppenburg und das Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung des Landkreises Cloppenburg zu einer Informationsveranstaltung nach Thüle in den Gasthof Sieger eingeladen.
Die Einladung stieß am Donnerstagabend mit rund 250 Teilnehmern aus Landwirtschaft und Jägern aus dem gesamten Landkreis auf eine große Resonanz. Ziel der Veranstaltung war es, mittels eines aktuellen Gesamtüberblickes die Sensibilität für diese hoch ansteckende Tierseuche zu erhöhen.
Zunächst trug der Leiter des Veterinäramtes Cloppenburg, Dr. Karl-Wilhelm Paschertz, den aktuellen Sachstand zum Erreger, zur Spezifik dieser Tierseuche bei Haus- und Wildschweinen, einschließlich der Schwierigkeiten für eine Impfstoffherstellung vor. Wie groß die Gefahr tatsächlich ist, dass ein infiziertes Wildschwein aus Tschechien hergelangt, wird von Experten unterschiedlich beurteilt. Die Krankheit führt binnen weniger Tage zum Tod, ein infiziertes Tier könne nur noch wenige Kilometer laufen.
Doch wenn es zu der Schweinepest kommen sollte, sei der wirtschaftliche Schaden „gewaltig und das vielleicht sogar über einen Zeitraum von drei Jahren“, so Paschertz. „Die Gefahr besteht, dass, wenn es zu einem Ausbruch der Schweinepest bei uns kommt, dann eben Abnehmerstaaten die Schotten dicht machen und Schweinefleisch nicht mehr geliefert werden kann“, informierte Paschertz.
Sein Kollege Dr. Hermann Seelhorst wies auf den Ernstfall hin. Falls im Landkreis ein totes Wildschwein mit dem ASP-Virus entdeckt werde, müssten die Behörden im Umkreis von 15 Kilometern besondere Sicherheitsvorkehrungen verfügen. Wäre beispielsweise in Cappeln die ASP ausgebrochen, wären rund 1286 Betriebe mit rund 1,15 Millionen Schweinen und fünf Schlachtbetriebe betroffen. Nicht nur für den einzelnen Schweinehalter wäre der wirtschaftliche Schaden enorm.
Die größte Gefahr lauere in kontaminierten Schlachtabfällen und kontaminierten Lebensmitteln, die illegal verbracht werden. Die zweite Gefahr bestehe aber tatsächlich über privat verbrachte Lebensmittel. „Deswegen gibt es auch Merkzettel auf den Raststätten an den Autobahnen, dass man Lebensmittel nicht so entsorgen soll, dass beispielsweise Wildschweine sie fressen können“, so Seelhorst.
Aber auch Erntehelfer oder Transportfahrzeuge könnten die Pest einschleppen. Soweit dürfe man es erst gar nicht kommen lassen. Wachsamkeit sei gefragt. Oberstes Gebot seien Biosicherheitsmaßnahmen. „Die Wildschweine sollten stärker und auch revierübergreifend bejagt werden“, so Seelhorst.
