Essen - Fusionsgerüchte in der Stahlbranche: Die Gespräche über einen Zusammenschluss des Stahlgeschäfts von Thyssen-Krupp mit Teilen des indischen Konzerns Tata Steel nehmen einem Zeitungsbericht zufolge konkretere Formen an. Nach Informationen der „Rheinischen Post“ spielen die Konzerne auf höchster Ebene verschiedene Szenarien für eine Kombination durch. Auch am verlustreichen Thyssen-Krupp-Stahlwerk in Brasilien haben die Inder demnach großes Interesse. Eine Einigung stehe aber nicht unmittelbar bevor.
Konkrete Aussagen dazu gibt es nicht. „Wir haben diese Berichte gegenüber den Medien nicht kommentiert, weil dazu aus unserer Sicht kein Anlass besteht“, erklärte Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger in einem Schreiben an die Mitarbeiter, das der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX vorliegt.
Der Manager betonte, dass angesichts der schwierigen Lage der Branche eine Konsolidierung der europäischen Stahlindustrie „ein möglicher Schritt nach vorne“ sein könne. „Ob, wann und unter Beteiligung welcher Unternehmen es aber zu einer solchen Konsolidierung kommt, ist völlig unklar“, betonte Hiesinger. „Wenn es dazu kommt, dann wollen wir bei Thyssen-Krupp in der Lage sein, uns aktiv und aus einer Position der Stärke heraus daran zu beteiligen.“ Bei Tata wollte man zu dem Thema keine Stellung nehmen. Von weltweit 80 000 Mitarbeitern beschäftigt der indische Stahlgigant derzeit rund 30 000 in Europa.
Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Thyssen-Krupp-Stahlsparte, Günter Back, forderte unterdessen eine Beteiligung der Arbeitnehmervertreter an möglichen Gesprächen. Bislang seien die Betriebsräte nicht in derartige Verhandlungen eingebunden. In der Stahlsparte des Konzerns seien betriebsbedingte Kündigungen zudem bis 2021 ausgeschlossen. Auch bei der IG Metall hieß es, die Gewerkschaft sei in mögliche Gespräche bislang nicht eingebunden.
An der Börse sorgten die Spekulationen für einen kräftigen Kursanstieg. Die Aktie des Industrie- und Stahlkonzerns legte um rund sechs Prozent zu.
Angesichts des andauernden Preisdrucks stehen die Stahlunternehmen in Europa stark unter Druck. Zuletzt hatte sich die Situation durch einen deutlichen Anstieg der Einfuhren aus China noch verschärft. Vor diesem Hintergrund laufen in der Branche dem Vernehmen nach diverse Gespräche über Allianzen.
Immer wieder tauchen dabei auch Spekulationen über eine Fusion der beiden größten deutschen Stahlhersteller Thyssen-Krupp und Salzgitter auf. Top-Manager gerade von Salzgitter weisen solche Gerüchte aber stets zurück. Am Mittwoch bestätigte ein Sprecher erneut diese Haltung.
Auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) steht einer möglichen Fusion skeptisch gegenüber. „Ich gebe offen zu: Ich bin kein großer Freund der Idee einer „Deutschen Stahl AG“, weil die Konsequenz vermutlich wäre, dass Arbeitsplätze in unserer Industrie wegfallen, obwohl die ineffizienten Stahlwerke im Ausland stehen“, sagte er der „WAZ“.
