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Jahresbilanz In Der Milchkrise Tiefpreise belasten Molkerei Ammerland

Wiefelstede - Die schwierige Lage am Milchmarkt hat auch die Molkerei Ammerland (Wiefelstede-Dringenburg) erfasst. In einem von stark sinkenden Milchauszahlungspreisen geprägten Markt fiel der Umsatz 2015 um 18,6 Prozent auf 638,7 Millionen Euro, wie der Milchverarbeiter am Donnerstag mitteilte.

Mit einer raschen Trendwende bei den Milchpreisen rechnet die Molkerei nicht. „Auch 2016 wird ein sehr schwieriges Jahr werden“, sagte Dr. Lars Schildwach, Marketing-Chef und Sprecher der Molkerei, dieser Zeitung.

Abermals zulegen konnte die Molkerei Ammerland dagegen bei der verarbeitenden Milchmenge. Hier gab es einen Anstieg um 4,9 Prozent auf 1,6 Milliarden Kilogramm. Insgesamt seien 121 595 Tonnen Käse, 53 323 Tonnen Pulver, 25 027 Tonnen Butter und 127 480 Tonnen Frischprodukte in den beiden Werken in Dringenburg und Oldenburg hergestellt worden.

An Verarbeitungsgrenze

„Wir sind an der Verarbeitungsgrenze angelangt“, sagte Schildwach. Wie berichtet, war die Milchmenge bei „Ammerland“ vor allem rund um den Jahreswechsel stark gestiegen. Die Geschäftsführung hatte die Milcherzeuger in einem Schreiben daher „eindringlich“ aufgefordert, „das saisonale Mengenwachstum aktiv einzuschränken“. Kurzfristige temporäre Modelle zur Mengenbegrenzung hatte die Molkerei ausgeschlossen.

Dafür will der Milchverarbeiter selbst aber in weitere Verarbeitungskapazitäten investieren. So soll etwa im Herbst eine neue Käserei und Molkenveredelung in Dringenburg fertig sein. Um die Wertschöpfung zu erhöhen, seien auch neue Spezialprodukte geplant, etwa koschere Produkte, so Schildwach.


Vor allem zu schaffen machten der Molkerei und ihren 1991 Milcherzeugern (Vorjahr: 2024) aber die stark sinkenden Preise. Für 2015 lag der durchschnittliche Milchpreis der Molkerei inklusive Warenrückvergütung bei 28,52 Cent je Kilogramm, womit „Ammerland“ leicht unter dem Bundesschnitt von 29,0 Cent lag. Vor einem Jahr hatte der Preis bei der Molkerei noch bei 36,46 Cent gelegen.

In den ersten Monaten des Jahres setzte sich der Negativtrend fort. Im Februar zahlte „Ammerland“ ihren Milchbauern 25 Cent je Kilo. Es sei zu befürchten, dass der Milchpreis für 2016 im Schnitt noch unter dem von 2015 liegen könnte, so Schildwach. „Für die Landwirte ist das absolut existenzbedrohend“ sagte er.

Mehr Eigenkapital

Das schwierige Marktumfeld machte sich auch in der Bilanz der Molkerei bemerkbar. Der Jahresüberschuss fiel auf 1,98 Millionen Euro nach 6,1 Millionen Euro vor einem Jahr. Das Ergebnis vor Steuern betrug im vergangenen Jahr 4,4 Millionen Euro, wovon den Mitgliedern nach der Generalversammlung noch eine Warenrückvergütung von 1,6 Millionen Euro ausgeschüttet werden soll. Weiter positiv entwickelte sich dagegen das Eigenkapital, das um 6,6 Prozent auf 104,1 Millionen Euro stieg (Eigenkapitalquote: 43,1 Prozent).

2016 will die Molkerei ihren Fokus u.a. in den Ausbau der Internationalisierung und des Markengeschäfts setzen. Nach Tochtergesellschaften in Ungarn, Spanien und Singapur soll 2016 eine neue Gesellschaft in den USA starten.

In Deutschland setzt „Ammerland“ ab April auf den Start des Weidemilchprogramms. Ab Herbst 2017 will die Molkerei zudem als nach eigenen Angaben erster großer Milchverarbeiter Niedersachsens mit einer Verarbeitungsmenge von 30 Millionen Kilogramm in den Biomarkt einsteigen.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft
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