Bremen - In der Lebensmittelindustrie sind verschärfte Kontrollen bei Betrieben, die bereits negativ aufgefallen sind, längst üblich. In der Landwirtschaft hinkt eine solche Überwachung aber noch hinterher. Die deutschen Tierärzte wollen das ändern. Dafür soll eine bundesweite Datenbank aufgebaut werden, die von Bauern, Tierärzten, Schlachthöfen und dem Handel gespeist wird. Höfe mit auffällig vielen kranken oder verletzten Tieren wären dann auf Knopfdruck erkennbar und könnten häufiger überprüft werden.
„Die Vernetzung von Daten muss verbessert werden“, sagte Prof. Eberhard Haunhorst am Freitag auf dem Deutschen Tierärztetag in Bremen. Als Grundlage könnte eine bereits bestehende Meldedatenbank dienen, die um Angaben zur Gesundheit der Tiere ergänzt werden müsste.
Rolle der Tierärzte
In einer Arbeitsgruppe hatten sich der Präsident des niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit und seine Kollegen mit der Rolle der Tierärzte im Verbraucherschutz befasst. „Voraussetzung für gesunde Lebensmittel sind gesunde Tiere“, betonte Haunhorst. Die Haltung der Tiere müsse deshalb an ihrem Wohlergehen ausgerichtet sein und nicht an den Produktionszahlen. Gezielte Kontrollen sieht der Experte deshalb als wichtigen Schritt hin zu einer Umorientierung.
Krankheiten, die Meerschweinchen, Katzen und andere Haustieren auf den Menschen übertragen können, standen auf dem dreitägigen Kongress ebenfalls im Mittelpunkt. Die Zahl dieser Zoonosen sei in der Vergangenheit zwar stabil geblieben, sagte Prof. Reinhard Straubinger von der Universität München.
Wegen der Globalisierung würden aber immer wieder neue Krankheiten auftreten, die in unseren Breiten bislang unbekannt gewesen seien. So könnten Geckos und andere Reptilien zum Beispiel eine exotische Variante von Salmonellen verbreiten. Aber auch von den heimischen Haustieren gehen in manchen Fällen gesundheitliche Gefahren aus. Katzen, Meerschweinchen und Ratten können ihre Besitzer etwa mit Pilzkrankheiten anstecken.
Falsche Diagnosen
Viele Humanmediziner seien damit nicht vertraut und würde diese dann als Allergien diagnostizieren, so Straubinger. Deshalb wollen die Tierärzte ihre Kollegen für das Problem sensibilisieren. Dafür regen sie regelmäßige Treffen der Ärztekammer in den Ländern auf beiden Seiten an.
