Cloppenburg - Welche Wege gibt es, den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung zu reduzieren? Eine Frage, der Landwirte, Tierhalter und Tierärzte am Mittwoch auf Einladung des Agrar- und Ernährungsforums (AEF) Oldenburger Münsterland in der Cloppenburger Stadthalle nachgegangen sind.

Hintergrund der Debatte, geführt von Dr. Thomas gr. Beilage (Tierarzt und Landwirt), Reinhild Benning (BUND), den beiden Kreislandvolk-Vorsitzenden Hubertus Berges und Norbert Meyer sowie Dr. Gerald Otto von der Goldschmaus-Gruppe (Garrel), war das am 1. April in Kraft getretene novellierte Arzneimittelgesetz. Dieses sieht die drastische Reduzierung von Antibiotika-Verabreichungen in der Tierhaltung vor. Ab 1. Juli müssen Landwirte, die Rinder, Schweine, Hühner und Puten zur Mast halten, alle sechs Monate den Behörden melden, welche Antibiotika sie in diesem Zeitraum in welchen Mengen welcher Anzahl von Tieren verabreicht haben.

Die Regelungen soll im Kampf gegen die starke Zunahme resistenter Keime unterstützen. Diese bergen die Gefahr, dass Krankheiten wie etwa Lungenentzündung oder Durchfall in zunehmendem Maße nicht mehr behandelt werden können.

Das AEF hat sich zur Aufgabe gemacht, Möglichkeiten zur Gesundhaltung und Stärkung der Tierbestände in der Region aufzuzeigen, damit antibiotische Behandlungen immer seltener erforderlich werden. Gemäß der Maxime „so wenig wie möglich, so viel wie nötig“, so AEF-Vorsitzender Uwe Bartels im anschließenden Pressegespräch.

„Es ist unerlässlich“, betonte Bartels, „dass gemeinsam nach Lösungen gesucht wird, um die Landwirtschaft im Oldenburger Münsterland nachhaltig zu stärken und weiterzuentwickeln.“ Dabei gingen Tierwohl und Tiergesundheit Hand in Hand.


Während der BUND „eine strikte Reduzierung des Antibiotika-Einsatzes um 50 Prozent“ als Ziel fordert, wie Benning betonte, setzen Bartels und seine Mitstreiter auf eine schrittweise Reduzierung. Gr. Beilage: „Wir wollen Resistenzen effektiv reduzieren, aber keiner weiß, wo das Optimum des Antibiotika-Einsatzes liegt, ob bei 50, 60 oder 20 Prozent.“

Bartels betonte: „Das Arzneimittelgesetz zeigt nicht den Weg, aber wir zeigen ihn.“ Die AEF nehme die Landwirte mit ins Boot, um gemeinsam mit ihnen Schritt für Schritt voranzugehen. „Solange es keine Trippelschritte sind“, warf Benning ein, worauf gr. Beilage erwiderte: „Es gewinnt an Fahrt, aber wir sollten uns an Ergebnissen messen lassen.“

Bartels betonte, dass die Lösungen wirtschaftlich erträglich und umsetzbar sein müssten. Vor allem kleine und mittelständische Betriebe benötigten Unterstützung, wenn Ställe für mehr Tierwohl beispielsweise umgestaltet oder die Bestände reduziert werden müssten.

In einem waren sich alle einig: Bei allen Bemühungen muss ebenfalls der Verbraucher umdenken. Denn auch wenn dieser Tierwohl und weniger Antibiotikaeinsatz fordere, greife er im Supermarkt oft nach dem billigen Fleisch. Und billig ließe sich Fleisch unter dem Aspekt von Tierwohl und Tiergesundheit nicht produzieren.

Anuschka Kramer
Anuschka Kramer Team Nord